Männergesangverein "Eintracht" 1862 e.V. Reichenbach / Odenwald
Männergesangverein "Eintracht"1862 e.V.Reichenbach / Odenwald

Chronik:

 

Die Vorsitzenden von 1862 – heute

 

1862 – 1871

Peter Bickelhaupt

1871 – 1872

Peter Mink 3.

1872 – 1876

Peter Bickelhaupt

1876 – 1878

Johann Roth

1878 – 1886

Peter Weyhrauch

1886 – 1897

Peter Bickelhaupt jun.

1897 – 1898

Joh. Gerstenschläger

1898 – 1899

Peter Bickelhaupt

1899 – 1904

Ludwig Dude

1904 – 1907

Peter Bickelhaupt

1907 – 1933

Karl Bitsch

1933 – 1951

Wilhelm Dude

1951 – 1958

August Essinger

1958 – 1967

Peter Bohn

1967 – 1971

Heinrich Weyhrauch

1971 – 1973

Walter Lampert

1973 – 1983

Philipp Hechler

1983 – 1991

Hans Bremstaller

1991 – 2001

Hans Schoenherr

2001 – 2005

Walter Lampert

2005 – heute

Peter Kaffenberger

 

Stand: 01.01.2017

 

 

 

Die Dirigenten von 1862 – heute

 

1862 – 1865

Lehrer Albert

1865 – 1874

Lehrer Wolf

1874 – 1875

Lehrer Schmidt

1875 – 1879

Lehrer Becker

1879 – 1883

Lehrer Braun

1883 – 1886

Lehrer Hechler

1886 – 1892

Lehrer Oppenheimer

1892 – 1899

Lehrer Bickelhaupt

1899 – 1903

Lehrer Keil

1903 – 1905

ohne Dirigent

1905 – 1928

Julius Becker

1928 – 1929

Lehrer Essinger

1929 – 1931

Lehrer Möbius

1931 – 1939

Wilhelm Trodt

1939 – 1948

durch Kriegsgeschehen kein Dirigent

1948 – 1973

Lehrer Geißler

1973 – 1984

Volker Seitz

1984 – 1994

Erich Baschta

1994 – 1996

Norbert Heger

1997 – 1999

Heiko Gündling

1999 – 2000

Andreas Demmel

2000 - heute

Björn Karg

 

 

Stand: 01.01.2017

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150 Jahre Männergesangverein „Eintracht“ Reichenbach 1862 e.V.

Inhalt

Vier Kriege beeinflussten das Vereinsleben (1862 – 1945) 3

Die Gründerjahre (1862 – 1871) 3

Historisches Umfeld. 3

Sangesfreudige Männer gründeten den „Singverein. 3

Hohe Hürden bei Vereinseintritt 4

Erstes öffentliches Konzert 5

Gründung des Bergsträßer Sängerbundes. 6

Patriotismus im Deutschen Reich (1871 bis 1918) 6

Deutsches Lied und deutscher Gesang. 6

Festveranstaltungen und Jubiläen. 7

„Ein schreckliches Ereignis ist hereingebrochen“. 8

Inflation und Weltwirtschaftskrise. 9

Auswirkungen der Machtergreifung auf das Vereinsleben. 10

Das 75-jährige Vereinsjubiläum.. 12

Vom Kriegstrauma zum Jubiläum (1945 – 1962) 14

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. 14

Folgen des Zweiten Weltkrieges. 14

Verbot und Wiederzulassung der Eintracht 14

Währungsreform und Neumitglieder bringen den Aufschwung. 16

Erfolgreicher Neuaufbau. 18

Die Eintracht konsolidiert sich. 18

Theaterabende spülen Geld in die Vereinskasse. 19

Hundert Jahre „Eintracht“ Reichenbach. 20

Die Zeiten ändern sich (1962 – 1987)) 23

Elferratssitzungen als „Highlights“ des Vereins. 23

Die „Eintracht“ feiert ihr 110. Gründungsjubiläum.. 25

Der historische Festzug von 1972. 26

Neue Ideen, neuer Schwung. 29

Der Männergesangverein wird 120 Jahre alt 31

Ära Philipp Hechler / Volker Seitz geht zu Ende. 33

Die „Eintracht“ wird 125, die Gemeinde 975 Jahre alt 35

In der Neuzeit angekommen (1987 – 2012) 40

Die Vereinsaktivitäten nehmen immer mehr zu. 40

Das Ende der Ära Bremstaller / Baschta. 45

Ein Wechsel auch am Dirigentenpult 45

Die Vorstandsspitze wechselt 47

Die „Eintracht“ wird 140 Jahre alt 47

Das Jahrzehnt vor dem großen Jubiläum.. 49

Die „Eintracht“ wird Bergsträßer Leistungschor 49

Matinee und Odenwälder Abend neu im Jahresprogramm.. 49

Gleich mehrere Ehrungen für „Eintracht“-Aktive. 50

Peter Kaffenberger löst Walter Lampert ab. 51

Einblick in die russische Seele und Ausflug in die Pfalz. 53

Die „Eintracht“ feiert ihr 145-jähriges Bestehen. 55

Der MGV organisiert das Kreiswertungssingen 2008. 57

Auch Reichenbacher Sänger-Jubilare geehrt 58

Björn Karg seit zehn Jahren als Dirigent erfolgreich. 59

Die „Eintracht“ stark im Fokus der Presse. 61

Erfolgreicher Start ins Jubiläumsjahr 63

 

 

 

 

Vier Kriege beeinflussten das

 

 

Vereinsleben (1862 – 1945)

 

Die Gründerjahre (1862 – 1871)

 

Historisches Umfeld

 

Wir schreiben das Jahr 1862: Im amerikanischen Bürgerkrieg gibt es Massenexekutionen - 38 Dakota-Krieger werden nach dem gescheiterten Sioux-Aufstand öffentlich gehängt. Nach dem preußischen Verfassungskonflikt wird Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten ernannt. Die Weltausstellung findet in London statt und Lachgas wird erstmals als Narkosemittel eingesetzt. August Oetker, deutscher Erfinder des gebrauchsfertigen Backpulvers und Gerhart Hauptmann, deutscher Schriftsteller des Naturalismus, werden geboren.

 

Im Lautertal wurde wenige Jahre zuvor das Dorf Hohenstein durch

den Grafen von Erbach-Schönberg aufgekauft und die Lautertalstraße (spätere Nibelungenstraße) gebaut. In Reichenbach wurde das alte Rathaus von 1600 abgerissen und das jetzige Fachwerk-Rathaus errichtet, ebenso ein neues Pfarrhaus erstellt. In Lautern ging das Blaufarbenwerk Marienberg und in Reichenbach die Pappdeckelindustrie von Brücher in Betrieb.

 

 

Reichenbach hatte ein Jahr vorher 138 Wohnhäuser, in denen 225 Familien lebten. Die Zahl der evangelischen Christen betrug 1.030, die der katholischen 29 und israelitischen Glaubens waren 76, was eine Einwohnerzahl von 1.135 ergab.

 

Diese Einwohner hießen Baumunk, Bernhard, Bessinger, Beutel, Bickelhaupt, Bitsch, Borger, Bormuth, Degenhard, Dörner, Eckel, Essinger, Fehr, Gerisch, Grimm, Habermehl, Hechler, Helfrich, Herold, Hochgenug, Horn, Jährling, Kaffenberger, Kehl, Kindinger, Kriechbaum, Kurtz, Lampert, Marquard, Marx, Mayer oder Meyer, Metzger, Mink, Oppenheimer, Reimund, Rausch, Rettig, Röder, Schack, Scharschmidt, Schmidt, Schneider, Seeger und Weihrauch. Alles also weitgehend Familien, deren Nachkommen noch heute hier leben.

 

Unter diesen Einwohnern gab es 125 Taglöhner, 48 Bauern, 18 Schuster, 15 Maurer, jeweils zehn Leineweber, Müller, Bäcker und Händler, acht Schneider, sieben Grobschmiede, sechs Wirte, jeweils fünf Wagner und Ziegler, jeweils drei Mühlenärzte, Nagelschmiede, Metzger und Glaser, sowie jeweils zwei Schreiner, Zimmerleute, Krämer und Papiermacher. Es gab eine Streichholz- und eine Stärke- und Sagofabrik und es wurde Kunsthefe hergestellt.

 

 

Sangesfreudige Männer gründeten den „Singverein

 
Vor diesem Hintergrund gründeten sangesfreudige junge Männer 1862 den Reichenbacher „Singverein“. Die Vereinsstatuten wurden vom Großherzoglichen Kreisamt in Bensheim am 24. Oktober 1862 gebilligt und damit der Verein offiziell anerkannt.

 

Der neue Zusammenschluss ließ sich besonders von zwei Männern beeinflussen, von denen starke Impulse auf das Chorsingen ausgingen: Carl Friedrich Zelter und Friedrich Silcher. Der Direktor der Singakademie zu Berlin und der Musikdirektor der Universität Tübingen setzten das klassische Lied für den Männerchor in einen vierstimmigen Satz für je zwei Tenorstimmen und zwei Bässe.

 

Von den 22 Mitgliedern waren 19 aktive Sänger: Peter Beutel, Peter Bickelhaupt, Philipp Hechler, Philipp Helfrich, Heinrich Horn, Adam Jährling, Georg Lampert IV., Georg Lampert V., Heinrich Lampert, Jakob Lampert,  Josef Marx, Andreas Mink, Philipp Mink, Jakob Müller, Löb Oppenheimer, Georg Rausch, Emanuel Schack, Jakob Seeger und Johann Seeger III. Die drei inaktiven Mitglieder hießen Heinrich Klein, Heinrich Klinger und Salomon Marx. Zum Präsidenten wurde Peter Bickelhaupt gewählt, als Chorleiter fungierte der Lehrer Wilhelm Albert.

 

Peter Bickelhaupt war der Sohn des Müllers Georg Bickelhaupt, der die Mühle in der Dorfmitte führte (spätere Angermannsmühle, heute Wohnheim schräg gegenüber der Postagentur). Die Wiese der Familie Bickelhaupt, die von der Mühle bis hin zum Wingertsberg (heute Auf der Insel) reichte, diente bis in die 1930-iger Jahre hinein als Festplatz für die Reichenbacher Vereine.

 

Dirigent Wilhelm Albert (1827 – 1904) hatte zwischen 1854 und 1874 die erste Schulstelle in Reichenbach inne (damals gab es nur zwei Lehrer). Er war vorher Vikar in Klein-Gumpen und wurde 1874 von Reichenbach nach Balkhausen versetzt.

 

Die Mitglieder des Singvereins waren weitgehend Landwirte („Ackermänner“), selbständige Handwerker und Händler, also Männer, denen es auch unter Berücksichtigung der anhaltenden wirtschaftlichen Schieflage vergleichsweise gut ging. Da sie wohl unter sich bleiben wollten, legten sie die Hürden für einen Vereinsbeitritt ziemlich hoch.

 

 

Hohe Hürden bei Vereinseintritt

 

Wer Mitglied werden wollte, musste dies schriftlich beim Präsidenten beantragen (das dürfte für manche bei der noch bescheiden ausgeprägten Schreib- und Lesefähigkeit schon ein Hindernis gewesen sein). Der Bewerber musste „im guten Rufe sittlicher Aufführung“ stehen. Über seine Aufnahme selbst wurde durch eine „Auskugelung“ (geheime Abstimmung) entschieden.

 

            Das Eintrittsgeld betrug einen Gulden

                        (Währungseinheit bis zur Einführung der Goldmark im Jahre 1871)

 

Geld musste in die Vereinskasse auch deshalb herein kommen, weil die Ausgaben hoch waren. So mussten dem Gastwirt die Talglichter für die Beleuchtung bezahlt werden. Für Wärme während der Singstunden sorgte die Frau des Dirigenten und wurde dafür mit monatlich zwölf Kreuzer entlohnt. Das Holz für die Feuerung musste sich der Verein selbst besorgen. 36 Kreuzer im Monat erhielt Elisabeth Essinger für die Reinigung des Vereinslokals und vierteljährlich 40 Kreuzer waren an die Vereinsbotin Frau Lang aus Lautern zu entrichten. Sie erledigte in erster Linie die Angelegenheiten des jungen Vereins in der Kreisstadt Bensheim.

 

Eine Geige war die erste große Anschaffung des „Singvereins“. Philipp Tremper aus Seidenbuch lieferte sie für sechs Gulden. Sie war auch deshalb finanzierbar, weil Dirigent Albert auf eine Entlohnung verzichtete und sich nur seine Violinsaiten bezahlen ließ. Die Notenblätter wurden meistens von den Partituren abgeschrieben.

 

 

Erstes öffentliches Konzert

 

Schon drei Monate nach der Gründung veranstaltete der junge Verein im Hannewald`schen Gasthaus (später „Zur Riesensäule“ von Adam Vetter, danach Lebensmittelmarkt an der Ecke Nibelungenstraße/Hahnenbuschstraße) einen Liederabend. Mit ihm und den folgenden wurde das kulturelle Leben in Reichenbach wesentlich erweitert.

 

Drei Jahre später war die Mitgliederzahl auf 33 gestiegen, doch auf einen Schlag trat fast die Hälfte von ihnen aus. Sie schlossen sich dem Gesangverein „Liederkranz“ Reichenbach an, der sich 1865 als örtliche Konkurrenz gründete.

 

Trotzdem ging es unter der Leitung des neuen Dirigenten Wilhelm Wolf erfreulich aufwärts. Der Lehrer aus Höchst im Odenwald hatte von 1858 bis 1874 die zweite Schulstelle in Reichenbach inne und löste 1865 Wilhelm Albert als Chorleiter ab. Der knapp 30-Jährige übte nun zweimal wöchentlich mit dem Chor und regte die Beschaffung eines Flügels für 200 Gulden von der Firma Zimmermann in Darmstadt an.

 

Dass zumindest die Vereinskasse im Lot war, zeigt die Anschaffung einer Fahne für 115 Gulden. Die Inschrift „Wo man singt, da lasst euch fröhlich nieder, böse Menschen haben keine Lieder“, könnte auch Ausdruck der Enttäuschung über die zahlreichen Austritte und über die jetzt vorhandene Konkurrenz gewesen sein.

 

Bis heute erhalten geblieben ist die erste Fahne des

„Gesangvereins Eintracht zu Reichenbach“.

 

Sie zeigt auf der Vorderseite eine Lyra-Spielerin

und auf der Rückseite eine Lyra.

 

Gründung des Bergsträßer Sängerbundes

 

Am 4. Juli 1869 wurde in Bensheim der „Bergsträßer Sängerbund“ gegründet, ein Interessen-Zusammenschluss von neun Gesangvereinen im Kreis. An ihm war die „Eintracht“ Reichenbach wesentlich beteiligt und stellte später mit ihrem Präsidenten Peter Bickelhaupt auch den Vorsitzenden.

 

Der Sängerbund machte es sich zur Aufgabe, das deutsche Lied und den deutschen Gesang insbesondere durch gemeinsame Auftritte der Chöre zu fördern. Er war wie die Eintracht eingebettet in den Deutschen Sängerbund (DSB), der sich ebenso wie die Eintracht im Jahre 1862 (21. September) gründete. [In seiner Hochzeit,  um das Jahr 2000, waren in dem Verband 1,8 Millionen Sänger in 22.000 Chören organisiert.]

 

Der DSB vereinigte alle Gesangvereine, die sich in einer „Gründungswelle“ in den 1860-er Jahren gebildet hatten. Ausgangspunkt waren bei einem großen Teil auch der Turnvereine politische Überlegungen. Die Forderungen nach deutscher Einheit, Freiheit und Demokratie standen obenan.

 

Wegen der deutschen Frage kam es wenige Jahre zuvor sogar zu einer kriegerischen Auseinandersetzung. Im „deutschen Krieg“ von 1866, den Österreich und seine süddeutschen Verbündeten gegen Preußen und seine norddeutschen Unterstützer sowie Italien führte, ging es um die Führungsrolle im Deutschen Bund. Mit der Schlacht bei Königsgrätz gewann Preußen und annektierte u. a. das Großherzogtum Hessen, zu dem auch Reichenbach gehörte.

 

Die Auseinandersetzungen um Deutschland und seine Einigkeit ließ viel Patriotismus aufkommen.  Deutsches Liedgut und deutscher Gesang waren „in“, ebenso die Vereine, die sich deren Förderung auf ihre Fahnen geschrieben hatten.

 

Dies verstärkte sich noch 1870/1871 mit dem Sieg des Norddeutschen Bundes unter der Führung Preußens und der jetzt verbündeten Süddeutschen Staaten über Frankreich. Mit dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg und der Gründung des Deutschen Reiches im Spiegelsaal von Versailles war erstmals ein deutscher Nationalstaat entstanden.

 

 

Patriotismus im Deutschen Reich (1871 bis 1918)

 

Deutsches Lied und deutscher Gesang

 

Die Gründung des neuen Deutschen Reiches förderte den Patriotismus im Land. Auch beim gemeinschaftlichen Singen. Mehr und mehr standen nicht mehr nur die Begeisterung für den unbegleiteten Liedvortrag und das Volkslied im Mittelpunkt, sondern das deutsche Lied und der deutsche Gesang. Liederabende wurden mit einem Hoch auf Kaiser und Reich eröffnet. In den Chören schlug das „treue deutsche Herz“.

 

1874 wurde Eintracht-Präsident Peter Bickelhaupt auch zum Vorsitzenden des Bergsträßer Sängerbundes gewählt und das sechste „Bergsträßer Sängerbund-Fest“ nach Reichenbach vergeben. Es fand am 4. Juli 1875 im Grasgarten des Präsidenten auf dem heutigen Standort der katholischen Kirche statt.

 

Von der Veranstaltung ist noch eine Anzeige aus dem „Umstädter Boten“ erhalten, mit der der Bergsträßer Sängerbund zum Fest nach Reichenbach einlud. Nach ihr empfing die gastgebende Eintracht die auswärtigen Vereine von „11 bis 1 Uhr“. Von „2 bis halb 3 Uhr“ war Generalprobe und ab „halb 3 Uhr“ holten die Sänger die Festjungfrauen aus dem „Vereinslocale“ ab und stellten sich auf der Straße nach Elmshausen für den Festzug auf.

Der Deutsche Kaiser-Marsch von Zikopf wurde als Festmarsch gespielt. Auf dem Festplatz folgte die Festrede „nebst Überreichung einer von den Festjungfrauen gestifteten Fahnenschärpe“. In drei „Abtheilungen“ gaben die Chöre eine Kostprobe ihres Könnens. Neben dem deutschen Lied waren auch Potpourris aus Opern, Walzern und Weinliedern zu hören.

 

Mit dabei waren das Männerquartett Zwingenberg, der Gesangverein Hähnlein, Frohsinn Elmshausen, Liederkranz Bensheim, Gesangverein Crumstadt, Sängerlust Auerbach, Liederzweig Arheilgen, das Männerquartett Pfungstadt, die Gesangvereine aus Heppenheim und Gronau, die Reichenbacher Eintracht, sowie der Gesamtchor. Den Abschluss des Festes bildeten die Bälle in den Gasthäusern von Georg Lampert IV. Witwe („Zur Sonne“) und Jakob Lampert III. („Zur Riesensäule“).

 

 

Festveranstaltungen und Jubiläen

 

Die Folgejahre waren von zahlreichen Wechseln in der Chorleitung geprägt. Von 1876 bis 1879 dirigierte Lehrer Karl Becker. Der aus Wörstadt stammende Pädagoge war im selben Jahr Lehrer in Reichenbach geworden. Nach seiner kurzen Zeit bei der Eintracht wurde er ab 1889 Leiter der ersten Sparkassenagentur in Reichenbach, also der Vorgängerin der heutigen Zweigstelle. Ein Jahr vor seiner Pensionierung 1907 zog er ins Obergeschoss bei seinem Sohn Julius Becker im Falltorweg. Der Gärtnermeister hatte sich dort eine Jugendstilvilla erbaut und sollte später die Entwicklung der Eintracht noch maßgeblich prägen.

 

 

Trotz häufigem Dirigentenwechsel konsolidierte sich der Gesangverein. Theateraufführungen, Familienabende, Weihnachtsfeiern und Tanzveranstaltungen prägten das Vereinsleben. Gemeinsame Wanderungen festigten den Zusammenhalt und stärkten die Geselligkeit und die Kameradschaft. Mit Konzerten in Elmshausen und auf dem Felsberg wurde das kulturelle Leben über die Gemeindegrenzen hinaus bereichert.

 

Sehr beliebt waren die Waldfeste auf dem Hohenstein. Dort fand 1887 das 25-jährige Gründungsjubiläum statt, zu dem jedes Mitglied als Erinnerung eine Jubiläumsurkunde erhielt.

Der Gesangverein Eintracht zählte damals 85 Mitglieder. 1889 wechselte er vom Gasthaus „Zur Traube“ in das Gasthaus „Zur Riesensäule“. Die Verbundenheit zur Familie Lampert blieb jedoch bestehen. Der neue Vereinswirt Andreas Lampert war der Bruder von Jakob Lampert IV., in dessen Gaststätte sich der Verein seit 1867 traf. Schon 1897 kehrte der Chor in sein altes Vereinslokal zurück und blieb dort bis heute.

1902 wurde das 40-jährige Gründungsjubiläum im Gras-garten von Peter Bickelhaupt  gefeiert. 26 Vereine beteiligten sich an dem Fest, das mit Böllerschüssen begann und mit einem Feuerwerk endete. Die Eintracht zählte damals 58 aktive Sänger, die wohl höchste Zahl in der Vereinsgeschichte.

 

Ein besonderes Ereignis war die Hochzeit der Vereinswirtin Maria Lampert im Jahre 1903.

Der Chor brachte dem frisch getrauten Paar ein Ständchen und überraschte es mit einem Brilliantfeuerwerk.                      

 

 

Nach der Eintracht und dem Liederkranz bildete sich 1910 ein dritter Gesangverein im Dorf. Durch die örtliche Steinindustrie hatte sich das Bauerndorf Reichenbach innerhalb von zwei Jahrzehnten in ein Arbeiterdorf gewandelt. Durch Wahlerfolge und die Gründung von Konsumvereinen war die Arbeiterbewegung selbstbewusst und stark genug geworden, um auch in ihrer Freizeit auf eigenen Beinen zu stehen.

 

Im März 1910 gründete sich im Gasthaus „Zum Schwanen“ in der damaligen Felsbergstraße (gegenüber der späteren Jugendherberge) der Arbeitergesangverein „Sängerlust“. Auch die aufgrund der Industriealisierung hervorgerufene Bevölkerungsexplosion trug mit dazu bei, dass die Anzahl der Arbeitersänger bald auf über 100 stieg. In die Quere kamen sich Eintracht und Sängerlust kaum, dazu war die Klientel beider Vereine zu verschieden. So nahmen die Arbeitersänger 1912 an der 50-Jahr-Feier der Eintracht teil. Deren langjähriger Vorsitzender Peter Bickelhaupt stellte seinen Grasgarten für das Fest der Fahnenweihe den roten Sängern zur Verfügung.

Auch das Fest zum 50-jährigen Jubiläum der Eintracht im Jahre 1912 wurde mit einer  Fahnenweihe verbunden. Zu der ersten kam eine zweite Fahne hinzu, die folgende Inschrift trägt:

 

„Grüß Gott mit hellem Klang,

Heil deutschem Wort und deutschem Sang“.

 

Gleich 39 auswärtige Vereine nahmen an dem Fest teil. Unter den Ehrengästen waren auch der Fürst und die Fürstin von Erbach-Schönberg. Die Festrede hielt Pfarrer Wilhelm Scheid.

 

 

 

„Ein schreckliches Ereignis ist hereingebrochen“

 

Es war das letzte große Fest der Eintracht vor dem ersten großen Weltkrieg. „Ein schreckliches Ereignis ist hereingebrochen“, heißt es wörtlich in dem von Gustav Oppenheimer (wohnhaft in dem Fachwerkhaus an der Lauter östlich der Pappenfabrik Brücher) mit ausdrucksstarker Schrift verfasstem Protokoll.

 

18 Sänger wurden sofort einberufen, so das spätere Ehrenmitglied Jakob Gerstenschläger. Der damals 22-jährige, ledige junge Mann wohnte in der Hauptstraße 24 („Kappmachers“) direkt gegenüber dem Gasthaus „Zur Riesensäule“ und diente in einer Infanterie-Kompanie. Der 19-jährige ledige Anton Schattenfroh aus dem Falltorweg musste im März 1915 zur Artillerie und Schriftführer Gustav Oppenheimer wurde mit 44 Jahren im März 1915 zur Infanterie eingezogen.

 

Die örtlichen Vereine und Honoratioren bildeten ein Unterstützungskomitee für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer. Ihm gehörten folgende Vereine an: Kriegerverein (Johann Philipp Schneider), Bürgerverein (Christian Eßinger), Feuerwehr (Daniel Roth), Sozialdemokratischer Wahlverein (Adam Schuster), Arbeiter-Unterstützungsverein (Kindinger),

 

Gesangverein „Liederkranz“(Trautmann), Gesangverein Eintracht (Karl Bitsch I.), Arbeiter-Gesangverein „Sängerlust“ (Johann Adam Bernhardt III.), Turnverein (Julius Becker), Kohlenkonsumverein (Jakob Roth IV.), Evangelischer Frauenverein (Frau Scheid) und Jungfrauenverein (Schwester Eugenie).

 

Jedes eingezogene Eintracht-Mitglied erhielt fünf Mark aus der Vereinskasse. Insgesamt wurden in die Gemeinschaftskasse und für Spenden vor Ort über 500 Mark gegeben, so dass der Verein nach dem Krieg vor dem Nichts stand. Die Spenden und das nun gänzlich ruhende Vereinsleben waren im Vergleich zu den Folgen an Leib und Leben der Vereinsmitglieder und der Männer aus dem Dorf jedoch zu vernachlässigen.

 

64 Reichenbacher Soldaten ließen im Ersten Weltkrieg ihr Leben. Mindestens ebenso hoch war die Zahl derer, die als körperliche oder geistige Krüppel aus dem Inferno zurück kamen und nun in einer Zeit mit minimaler sozialer Absicherung ihr Dasein fristen mussten.

 

 

Inflation und Weltwirtschaftskrise

 

Nur schwer in Gang kamen die Aktivitäten der Reichenbacher Vereine nach dem Ersten Weltkrieg. Den Mitgliedern stand aufgrund der Lebensumstände nur bedingt der Sinn nach Gesang, Geselligkeit und Vereinsleben. Nach dem verlorenen Krieg mit seinen politischen und organisatorischen Veränderungen musste erst einmal Normalität ins Alltagsleben einkehren.

 

Trotz aller Probleme fand die erste Generalversammlung der Eintracht schon am 5. April 1919 statt. Julius Becker übernahm wieder die Chorleitung, obwohl er auch stark im Vereinsleben des Turnvereins und des Odenwaldklubs eingebunden war und später auch noch dem Gemeinderat angehörte.

 

 

 

Ähnlich erging es dem Vereinsvorsitzenden Karl Bitsch I., geboren 1874. Der gelernte Steinhauer und Werkmeister in der DESTAG wohnte in der Brunnenstube Nr. 7 (heute Horst Lang) und führte die Eintracht von 1908 bis 1933. Darüber hinaus war er Spitzenkandidat der Bürgerlichen bei den Kommunalwahlen ab 1919, gehörte dem Gemeinderat an und war später als Erster Beigeordneter Vertreter des Bürgermeisters.

 

Zum jährlichen „Pflichtprogramm“ des Chors gehörte die Teilnahme an den Gedenkfeiern für die gefallenen Soldaten. Diese fanden am Sonntag Reminiscere statt, also Anfang März. Veranstaltungsort war bis 1926 der Marktplatz. Dort wurde 1878 das Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Auseinandersetzung mit Frankreich (1870/71) zwischen Dorflinde und Dorfbrunnen errichtet.

 

Für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges ließ die Gemeinde ein Denkmal am Aufgang zur Kirche erbauen. „Über einem basteiartigen Mauervorsprung des Kirchenaufgangs erhebt sich das 3,20 Meter hohe Denkmal. Auf einem Granitsockel steht ein mächtiger Pfeiler aus poliertem Felsberggranit, darüber ein sich nach unten verjüngendes „Kapitäl“, das von einem kunstgeschmiedeten, feuervergoldeten Kreuz aus der Werkstätte des Schlossermeisters Weyhrauch gekrönt wird“, schreibt darüber Richard Matthes im Heimatbuch prosaisch.

 

In den zwanziger und dreißiger Jahren fanden schon vor der Feier samstags Gedenkveranstaltungen in der Volksschule statt. Für den Sonntag lud die Evangelische Kirchengemeinde zum Gottesdienst ein. Daran nahmen in der Regel der Kriegerverein, der Turnverein, die beiden Gesangvereine Eintracht und Liederkranz, der Arbeiterunterstützungsverein und die Feuerwehr „geschlossen mit ihren Fahnen“ teil. Nicht dabei waren die Vereine und Genossenschaften der Arbeiterbewegung, die gesondert ihrer Gefallenen gedachten.

 

Dem Gottesdienst an schloss sich die Gedenkfeier am Kriegerdenkmal. Mit ihren Liedbeiträgen wechselten sich die beiden Gesangvereine jährlich ab. Die Gedenkrede hielt in all den Jahren Bürgermeister Philipp Mink XIII., der im Oberdorf gegenüber der DESTAG wohnte (heute Familie Bauer) und der Gemeinde von 1910 bis 1936 vorstand. Mink war auch lange Jahre Wehrführer und Vorsitzender des Gesangvereins Liederkranz.

 

Wie bei der Teilnahme an den Gedenkfeiern, war Reichenbach damals auch in politischen Fragen so gespalten, wie das ganze Deutsche Reich. Hinzu kamen Weltwirtschaftskrise und große Teile in Reichswehr, Justiz und Behörden, die der jungen Demokratie skeptisch gegenüberstanden, sie weitgehend ablehnten. Dieses Sammel-surium von negativen Tendenzen, Ablehnung und fehlender Gegenwehr führte dann zur Machtergreifung der Nationalsozialisten.

 

Auswirkungen der Machtergreifung auf das Vereinsleben

 

Diese Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 hatte direkte Auswirkungen auch auf das Vereinsleben in Reichenbach und der Eintracht. Nach den „Reichstagswahlen“ am 5. März wurde eine ganze Reihe von Reichenbachern durch Rollkommandos verhaftet und in Gefängnisse, oder ins KZ Osthofen verbracht. Die Arbeiter-, Sänger- und Sportvereinigung wurde enteignet und aufgelöst, ebenso die SPD und weitere Gliederungen der Arbeiterbewegung.

 

Die von den bürgerlichen Vereinen anfangs noch begrüßte Entwicklung nahm schnell Einfluss auch auf ihr Vereinsleben. Die Vereinsvorsitzenden hießen jetzt  „Vereinsführer“ und wurden vielfach nicht mehr durch die Mitglieder gewählt, sondern durch zentrale Verbände ernannt. Zudem sollten konkurrierende Vereine in den Städten und Dörfern „verschmolzen“, in „Zwangsehen“ vereinigt werden.

 

In Reichenbach traf dies die beiden verbliebenen Gesangvereine Eintracht und Liederkranz. Als sich der ältere Verein dem widersetzte, wurde Wilhelm Dude kurzerhand abgesetzt. Doch der Verein wehrte sich gegen diese Anordnung, der Gau Hessen-Süd des Deutschen Sängerbundes knickte ein und Dude durfte die Eintracht weiter führen. Nicht zu umgehen war jedoch das Zugeständnis, dass Eintracht und Liederkranz künftig regelmäßig gemeinsam öffentlich aufzutreten hatten.

 

Fortan wurde es zumindest in der öffentlichen Berichterstattung über die Eintracht ruhiger. Erhalten geblieben ist im großen Archiv des Männergesangvereins jedoch eine Einladung zum Kreisliedertag 1936 in Alsbach und Hambach. Dazu rief der Kreis Bergstraße des Deutschen Sängerbundes, Gau XII (Hessen-Darmstadt) nach Alsbach und Hambach auf.

 

 

Die Einladung spiegelte den Geist der Zeit wider: „Deutscher Sängergruß“, „Für Deutschland“, „Der deutschen Arbeit Feiertag“, „Kameraden, wir marschieren“, hieß es darin. Zum „kurzen Werbemarsch“ erfolgte der „Abmarsch“ um 1.45 Uhr.

 

 

An dem Kreisliedertag nahmen 19 Chöre teil, darunter die Eintracht Reichenbach mit 23 und der Liederkranz mit 22 Sängern. Unter der Leitung von Wilhelm Trodt sangen sie „Im Mai“ von A. Juergens.

 

 

Das 75-jährige Vereinsjubiläum

 

Im Juli 1937 feierte die Eintracht wieder einmal ein für längere Zeit letztes Fest. Eröffnet wurde das 75. Vereinsjubiläum mit einem Kameradschaftsabend im Gasthaus „Zur Traube“, zu dem „Vereinsführer“ Wilhelm Dude die Gäste begrüßte. Die Handharmonikagruppe spielte volkstümliche Weisen und der gastgebende Verein präsentierte „gut vorgetragene Volkslieder“. Höhepunkt des Abends war das Duo Philipp Essinger und Georg Geißler. Der gebürtige Gadernheimer studierte an der Musikschule Darmstadt und verfügte über eine „wohldurchgebildete, edle Baritonstimme“. Die beiden Künstler brachten Balladen, Lieder aus Operetten und Volkslieder zu Gehör.

 

Beim Festzug am Sonntag herrschten „nicht gerade günstige Witterungsverhältnisse“. Der „ziemlich starke Regen hörte erst dann auf, als alles in der Turnhalle versammelt war“. Von Vertretern des Kreises wurden Philipp Essinger und Karl Bitsch I. mit dem Sängerehrenzeichen für 40-jährige, aktive Mitgliedschaft ausgezeichnet. Das Jubiläum wurde abgeschlossen mit einem Festball im Gasthaus „Zur Traube“.

 

 

 

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 kam das Vereinsleben der Eintracht zum Erliegen. Dem sinnlosen Völkermorden fielen 189 Reichenbacher zum Opfer.

 

 

Vom Kriegstrauma zum Jubiläum (1945 – 1962)

 

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

 

Folgen des Zweiten Weltkrieges

 

Die Folgen des Zweiten Weltkrieges waren verheerend. Weltweit starben nach dessen „Entfesselung“  52 Millionen Menschen, Millionen waren zu geistigen und körperlichen Krüppeln geworden. Und Millionen Deutsche wurden im Osten wegen der Schandtaten der Nazis nicht mehr geduldet, ihrer Heimat beraubt und nach Westen abgeschoben.

 

Glück hatte Reichenbach beim Einmarsch der Amerikaner am 27. März 1945. Durch das umsichtige Handeln und das Hissen der weißen Flaggen, angeordnet von Karl Bitsch, dem Vertreter des Bürgermeisters und langjährigen Eintracht-Vorsitzenden, kam das Dorf  glimpflich davon. In Gadernheim dagegen meinten einige Unbelehrbare, den Zweiten Weltkrieg an der „Lärretz“ entscheiden zu können. Das Ergebnis: Neun Tote und einige zerstörte Häuser.

 

Insbesondere die US-Amerikaner waren zum Schluss des Krieges militärtechnisch haushoch überlegen. Da war es schon besser, zuerst beim Einmarsch und später während der Besatzungszeit, deren Anweisungen aus ihrem Quartier in der Volksschule (später im Gasthaus „Zur Traube“) heraus zu befolgen.

 

Nach der Verhaftung der örtlichen Parteiführer und der Neuordnung im Rathaus, wurde mit Unterstützung der Besatzung versucht, das Leben wieder in normale Bahnen zu lenken. Doch die weitgehend auf Kriegswirtschaft ausgerichtete deutsche Wirtschaft konnte die Menschen nicht mehr ernähren. Jetzt war Selbstversorgung angesagt.

 

Dabei halfen die nach und nach aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Männer. 1945 blieb auf den Äckern keine Kartoffel liegen, auf den Bäumen kein Apfel hängen, das letzte Gras wurde auf Wiesen und in Wäldern gemäht, der Wald war leergefegt.

 

Und 1946 kamen die Heimatvertriebenen in Scharen hinzu. 345 waren zugewiesen worden, über 500 kamen. In den Häusern wurden die kleinsten Ecken für Notunterkünfte genutzt. Ein Reichenbacher Bauer ging auf den Flüchtlingskommissar mit der Axt los, weil dieser ihm noch weitere Flüchtlinge einquartieren wollte. Durch lange Trockenheit und der folgenden Missernte war für viele Einwohner der Winter 46/47 ein Hungerwinter. Die Zwangsbewirtschaftung über Lebensmittelmarken oder der Schwarzmarkthandel löste das Problem nur punktuell.

 

 

Verbot und Wiederzulassung der Eintracht

 

Zwei Monate nach dem Einmarsch der Amerikaner mussten die Verantwortlichen der Eintracht eine Vermögens-Bestandsaufnahme fertigen. In der Liste wurden auch die beiden Vereinsfahnen aufgeführt. Das Vermögen des Vereins wurde mit 936,97 Reichsmark beziffert.

 

Nach Prüfung dieser Bestandsaufnahme und den Vereinsaktivitäten zwischen 1933 und 1945 wurde die Eintracht gemäß der Kontrollratsdirektive Nr. 23 wie die anderen verbliebenen Vereine in Reichenbach 1946 aufgelöst, das Vermögen eingezogen, jegliche Tätigkeit im Sinne der alten Vereinszielsetzung untersagt.

 

 

Nach etwa zwei Jahren lockerten sich dann die Bestimmungen und der langjährige Vorsitzende Wilhelm Dude (Grabsteinhersteller und –händler aus Elmshausen) wurde aktiv. In Gesprächen mit den zuständigen Behörden wurde ihm Anfang 1948 die Wiederzulassung des Vereins in Aussicht gestellt.

 

Deshalb lud er für den 8. Februar zu einer Besprechung in das alte Vereinslokal „Zur Traube“ ein. Darin sollten die organisatorischen Weichen gestellt werden. So galt es, eine neue Satzung zu erarbeiten, die mit dem Amtsgericht in Bensheim abgestimmt werden musste. Der neue Vorstand sollte wie folgt der Mitgliederversammlung vorgeschlagen werden:

 

Vorsitzender:

Wilhelm Dude, * 22.03.1896, Unternehmer, Elmshausen, Nibelungenstraße

Stellvertreter:

Jakob Baumunk I., * 28.10.1890, selbständiger Landwirt, Schuhgasse 4

Rechner:

Wilhelm Kaffenberger I., * 21.12.1887, selbständiger Glaser, Nibelungenstraße 40

Schriftführer:

Peter Bohn, * 14.02.1908, Maler, Wingertsberg

Beisitzer:

Peter Germann III, * 03.02.1911, Steinhauer, Nibelungenstraße 118

 Wilhelm Hechler, * 09.09.1894, Schuhmacher, Nibelungenstraße 105

 Anton Schattenfroh, * 09.07.1896, Schriftzeichner, Am Lösch 4

 Jakob Mink IV., * 14.01.1899, Maurermeister, Felsbergstraße 37.

 

Mit Verfügung vom 2. März 1948 wurde dem Verein dann die Wiederzulassung amtlich erteilt. Daraufhin lud Dude für den 12. März zu einer Vorstandssitzung ein, in der die angestrebte Freigabe des Vereinsvermögens erörtert und die Einladung für die „Generalversammlung“ verfasst wurde. Sie erhielt einen Anhang, in dem sich die früheren Mitglieder zur Mitgliedschaft im neuen Verein durch ihre Unterschrift bereit erklärten.

 

 

 

51 ehemalige Mitglieder wollten auch den neuen alten Gesangverein unterstützen. Zur Versammlung am 10. April im Gasthaus „Zur Traube“ erschienen dann jedoch zur Enttäuschung der Organisatoren nur 21 Interessenten. Sie gedachten den gefallenen Soldaten und verstorbenen Mitgliedern:

 

Philipp Dude, * 1885, Steinhauer, Nibelungenstraße 131 (Vater von Philipp und Günter)

Peter Opper, * 20.04.1909, Steinhauer, Nibelungenstraße 118 (Vater von Adam)

Adam Baumunk IX., * 16.11.1912,  ?

Heinrich Schmidt, * 27.04.1910, Schneider, Nibelungenstraße 91 (Bruder von Jean, Onkel von Heini, beide Schuhgasse)

Johannes Bitsch V., * 01.01.1907, ?

August Lampert, * 02.08.1911, Bäckermeister,

Nibelungenstraße 45, (Vater von Karl und August, Wirt im Vereinsgasthaus „Zur Traube“)

Peter Bormuth III., * 05.07.1904, Felsbergstraße 32

Wilhelm Schneider, * 22.01.1904, Landwirt, Nibelungenstraße 48 4/10, (Vater von Wilhelm Schneider und Gertrud Lingelbach)

Fritz Kindinger I., * 16.07.1867, Steinhauer,

Nibelungenstraße 89 5/10 (Großvater von Hans)

Peter Beutel I., * 16.07.1888, Sattlermeister,

Nibelungenstraße 94 (Vater von Wilhelm)

Konrad Rausch, * 12.11.1902, ?

Heinrich Germann, * 20.04.1891, Steinhauer,

Nibelungenstraße 90 (Vater von Heinrich)

Peter Bickelhaupt, * 31.08.1834, Mühlenbesitzer,

Nibelungenstraße (spätere Angermannsmühle).

 

Die Versammlung billigte die Vereinssatzung und auch den am 8. Februar vorgeschlagenen Vorstand.

 

Die Dirigentenfrage wurde vorläufig zurückgestellt.

Zuerst sollte das Vereinsvermögen freigegeben werden. Aktuell verfügte der Rechner über keinen Kassenbestand. Mit den Mitgliedsbeiträgen, die auf eine Reichsmark im Monat festgesetzt wurden, sollte wieder Geld in die Kasse kommen.

 

 

 

Währungsreform und Neumitglieder bringen den Aufschwung

 

Die Sanierung der Vereinskasse gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht. Deutschland hatte nach wie vor unter den Kriegsauswirkungen zu leiden. Die Umstellung der Rüstungswirtschaft auf die Friedenszeiten mit einem veränderten Konsumverhalten war noch nicht gelungen.

 

Hinzu kam im Juni 1948 die Währungsreform, die Umstellung von der Reichsmark auf die Deutsche Mark. Sie wurde am Freitag, 18. Juni, durch den Rundfunk und mit Plakataushängen angekündigt. Ab Montag, 21., sollte  die  DM  das  alleinige  Zahlungsmittel sein. Doch  am  Samstag  hatten  die  meisten  Geschäfte wegen „Erkrankung“ oder „Umbaumaßnahmen“ geschlossen, so dass die Menschen ihre alte, jetzt fast wertlos gewordene Reichsmark nicht verwerten konnten. Sonntags gab es dann das „Kopfgeld“ von 40 DM, das montags in den jetzt gefüllten Läden oft schnell umgesetzt wurde.

 

Bis zum 26. Juni mussten alle natürlichen und juristischen Personen ihr Bargeld abgeliefert oder ihr Altgeldguthaben angemeldet haben, sonst verfiel es. Doch da das Umstellungsverhältnis nur 10 : 0,65 war, zählten „Otto-Normalverbraucher“ zu den Verlierern. Wohl gab es einen Monat später nochmals 20 DM „Kopfgeld“ und 1957 durch das Altsparergesetz einen „Nachschlag“ für die Reichsmark, doch aktuell reichte das eingetauschte neue Geld in den meisten Haushalten hinten und vorne nicht.

 

Ihre Finanzprobleme erörterte die Eintracht in der Jahreshauptversammlung am 22. Januar 1949, wo es eine „lebhafte Aussprache zu Beitragsfragen“ gab, wie Peter Bohn  im Protokoll festhielt. Schließlich einigten sich die Mitglieder auf eine rückwirkende Änderung des Monatsbeitrages auf 0,50 DM ab dem 1. Oktober 1948.

 

Die schlechte Versorgung über Lebensmittelkarten und die folgende Währungsreform dürften auch der Grund dafür gewesen sein, dass das Vereinsleben nicht richtig ins Laufen kam. Im Mai hatte der kurz vorher aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Lehrer Georg Geißler (Bild links) die Chorleitung übernommen. Doch leider war die Beteiligung an den Singstunden nicht befriedigend und musste vorübergehend eingestellt werden. Ein vorgesehener Unterhaltungsabend wurde abgesagt.

 

Ein überraschender Erfolg gelang der Eintracht mit einem Maskenball am 26. Februar 1949 im Gasthaus „Zur Traube“. Obwohl der Vorstand den Eintrittspreis mit 1,50 DM sehr hoch angesetzt hatte (dies entsprach damals in etwa dem Stundenlohn eines Steinhauers, heute vergleichbar mit etwa 15 Euro), war der Saal überfüllt. „Auch nach drei Uhr wollte kaum einer nach Hause gehen“, hieß es im Protokoll.

 

Dies sollte jedoch vorerst der einzige Erfolg bleiben. Von Juni bis September 1949 fanden „wegen Erntearbeiten keine Singstunden statt“, anschließend ging es mit durchschnittlich 16 Teilnehmern pro Singstunde weiter. Deshalb wurde „von manchen Sängern etwas mehr Interesse gefordert“. Dass sich die Sänger 1948/49 wohl mehr um die Bedürfnisse des täglichen Lebens kümmern mussten, macht auch ein Eintrag im Protokollbuch deutlich. Peter Bohn, ansonsten ein akribischer Schriftführer, verfasste das Protokoll über eine Vorstandssitzung am 9. Februar 1948 erst am 11. Februar 1950.

 

Die problematische Entwicklung muss dem Vorstand wohl bewusst geworden sein. Ende 1949 erhöhte sich, wahrscheinlich durch eine gezielte Werbeaktion, der Mitgliederstand von 53 auf 66. Hinzugekommen waren bei drei Abgängen Fritz Hechler, Willi Schmitt, Heinrich Seeger, Gerhard Molzahn,  Heinrich Eßinger, Michael Vetter, Günther Dude, Wilhelm Meyer, Heinrich Laut, Hermann Mink, Peter Kaffenberger, Adolf Hochgenug, Adam Hechler, Heinrich Mink, Peter Beßinger und Wilhelm Hochgenug.

 

34 von den alten und neuen Mitgliedern waren dann bei der Jahreshauptversammlung am 11. Februar 1950 anwesend. Mit den jetzt zahlreichen jungen Mitgliedern strebte die Versammlung auch eine Verjüngung des Vorstandes an. Neuer Vorsitzender wurde August Eßinger (* 19.11.1903, Steinhauermeister, Wingertsbergstraße 4), dem der langjährige Vereinsführer Wilhelm Dude Platz machte und sein Stellvertreter wurde. Schriftwart blieb Peter Bohn, Rechner wurde Philipp Germann (* 19.05.1904, Steinhauer, Hohensteiner Straße 17). Als Revisor und Kontrolleur fungierte Heinrich Marquardt (* 31.07.1881, Nibelungenstraße 30) und zu Beisitzern wurden Michael Vetter (* 14.12 1916, Wingertsbergstraße 21), Fritz Hechler (* 25.01.1924,  Kaufmännischer Angestellter, Nibelungenstraße 105), Jakob Baumunk und Peter Germann gewählt. Vereinsdiener waren Heinrich Laut (* 31.08.1933, Landwirt, Schuhgasse 2) und Wilhelm Hochgenug (* 26.08.1899, Steinhauer, Nibelungenstraße 129), die dafür eine Gesamtvergütung von jährlich zehn DM erhielten.

 

Aufgrund der jüngsten Erfahrungen und sicher auch wegen den noch wenig zahlungskräftigen jungen Mitgliedern wurde der Beitrag auf eine Mark pro Quartal gesenkt. Ehrendiplome erhielten Ludwig Weyhrauch („Drehers Lui“, * 16.04.1880, Rechner, Nibelungenstraße 65) und Heinrich Beutel (* 03.04.1873,  Nibelungenstraße) für 50-jährige, sowie August Eßinger, Jean Schmitt (* 03.09.1904, Steinhauer, Schuhgasse 4), Wilhelm Hechler (* 09.09.1894, Nibelungenstraße 105), Heinrich Seeger (* 10.12.1902, Technischer Angestellter, Nibelungenstraße 122) und  Philipp Germann für 25-jährige Mitgliedschaft.

 

 

Über diese Jahreshauptversammlung wurde erstmals wieder im Bergsträßer Anzeigenblatt berichtet (15.02.). Der BA wurde 1946 wegen Papiermangel eingestellt und in Teilen durch ein dünnes Blättchen ersetzt, das sich „Amtliches Bekanntmachungsblatt für die Großbürgermeisterei Bensheim“ titelte. Erst ab dem 08. September 1949 erschien die Heimatzeitung wieder sporadisch, ab dem 02.11.1949 dann wieder täglich.

 

 

Erfolgreicher Neuaufbau

 

Die Eintracht konsolidiert sich

 

Mit den jungen Mitgliedern und einer zurückhaltenden Preispolitik stabilisierte sich das Vereinsleben des Männergesangvereins. Für den Fastnachtsball am 18. Februar 1950 wurde der Eintrittspreis auf nur noch eine Mark festgelegt, die Mitglieder waren frei und alle Plätze belegt. „Die Kapelle Fiedler konnte die Erwartungen des Publikums nicht in vollem Maße befriedigen“, hieß es im Protokoll. Ob die Kapelle nicht gut genug war, oder die jungen Mitglieder andere Vorstellungen hatten, sagt das Protokoll nicht aus.

 

Der erste Familienabend seit der Neugründung fand dann am 13. Mai 1950 im Gasthaus „Zur Traube“ statt. Der Vorstand hatte neben der Kapelle Fiedler noch einen Alleinunterhalter (Rasch, Zwingenberg) engagiert, der mit „Gesangsvorträgen und humorvollen Kurzeinlagen“ zu überzeugen wusste. Zur Senkung der Kosten wurde eine „Preisverlosung“ mit von den Mitgliedern gestifteten Waren vorgenommen. Der Abend, so das Protokollbuch, habe „allgemeinen Anklang“ gefunden.

 

Diese Familienabende, sowie Fastnachts- oder Maskenbälle zählten jetzt zum festen Bestandteil des Eintracht-Programms. Ab 1950 wurde auch das ganze Jahr über im Chor geübt, so dass der Singstundenbesuch im Protokollbuch als gut bezeichnet wurde. Zusammen mit dem Arbeitergesangverein (spätere SSV) und dem Doppelquartett nahm der Männergesangverein auch an der Maifeier teil und sang auf dem Marktplatz „Aus der Jugendzeit“. Die drei Chöre gemeinsam gaben das „Schifferlied“ zum Besten.

 

Im Juni wanderten die Sangesfreunde gemeinsam nach Knoden. Sängerfreund Wilhelm Mayer erhielt zur Hochzeit ein Ständchen und auch bei der Jahrgangsfeier der Klassenkameraden um die Vereinswirtin Marie Lampert (* 10.05.1880, Nibelungenstraße 45) und Sangesbruder Ludwig Weyhrauch trat der Chor auf („Im schönsten Wiesengrunde“, „Alle Tage ist kein Sonntag“ und „Winter“).

 

Auch sang der Chor 1950 anlässlich der 65-jährigen Mitgliedschaft des Ehrenpräsidenten Ludwig Dude und bei den Begräbnissen der Ehrenmitglieder Peter Germann II. (* 19.08.1882, Steinhauer, Wingertsberg 22) sowie Johannes Heist (* 15.11.1869, Fuhrknecht, Nibelungenstraße 92).

 

Auch aufgrund der regen Vereinsaktivitäten erhöhte sich die Zahl der Mitglieder von 66 auf 78. Bei zwei Austritten kamen hinzu:  Karl Horn, Peter Weimar, Hans Lampert, Karl Mink, Heinrich Bormuth, Philipp Hechler, Philipp Baumunk, Wilhelm Hochgenug, Heinrich Degenhardt, Wilhelm Mink, Richard Kindinger, Georg Mayer, Georg Eßinger, Karl Sauer, Hans Mink, Karl Horn und Heinz Baumunk.

 

Die Generalversammlung am 17. Februar 1951 war dann auch schon von 45 Mitgliedern besucht. Der Chor eröffnete den Abend mit dem „Sängergruß“ und „Bleib deutsch du herrlich Land am Rhein“. Auch aufgrund der positiven Vereinsentwicklung wurde der komplette Vorstand einstimmig wiedergewählt.

 

Aufgrund ihrer 50-jährigen Mitgliedschaft wurden Josef Römer und Ludwig Krichbaum zu Ehrenmitgliedern ernannt. Beitragsfrei waren jetzt Jakob Baumunk und Wilhelm Kaffenberger. Sie gehörten bereits 40 Jahre aktiv der Eintracht an. Neuer Vereinsdiener wurde Hermann Mink.

 

 

Theaterabende spülen Geld in die Vereinskasse

 

Ein leidiges Thema im Verein blieb die nach wie vor schlechte Kassenlage. „Um den Kassenbestand zu verbessern“ sollte deshalb ein Theaterabend veranstaltet werden, mit dem eine Gruppe um Karl Sauer beauftragt wurde.

 

Diese suchte sich das Lustspiel von Herbert Reinmann „Das Heiratsinserat“ heraus, „ein heiteres Stück in drei Akten“. Die Karten für den Abend am 2. Dezember 1951 im Gasthaus „Zur Traube“ konnten weitgehend schon im Vorverkauf abgesetzt werden.

 

Regisseur Karl Sauer und seine Schauspielergruppe „gaben sich alle Mühe, den heutigen Anforderungen des Publikums gerecht zu werden“ und präsentierte „zwei Stunden voller Heiterkeit und Humor“. Und das Publikum bedankte sich mit „rasendem Beifall“.

 

Wegen des großen Erfolges wurde die Vorstellung eine Woche später wiederholt. Jetzt „musste der Saal wegen Überfüllung geschlossen werden“. Die Zuschauer bedankten sich für einen vergnüglichen Abend mit „überwältigendem Beifall, sogar während der Vorführung“.

 

 

 

 

Die dritte Aufführung fand am zweiten Weihnachtsfeiertag in Gadernheim statt. Auch hier war der Erfolg enorm, so dass eine vierte Aufführung am 1. Januar 1952 in Reichenbach folgte. Hier verschenkte die Eintracht 60 Karten an minderbemittelte ältere Leute und hatte trotzdem noch einen finanziellen Erfolg. So auch bei der fünften Aufführung am 5. Januar 1952 in Lautern.

 

Trotz der zeitaufwändigen Vorbereitung auf die Theaterabende nahm der Chor 1951 an den Sängerfesten in Gronau, Winterkasten und Kirschhausen, sowie an der Maifeier im Reichenbacher Schulhof teil. Am erstmals stattfindenden „Bergfest“ des Odenwälder Motorsportclubs (OMC) war die Eintracht stark eingebunden. So lief sie beim Fackelzug mit, sang am Samstagabend vor dem Hohensteiner Felsen, war sonntags beim Festumzug dabei und wirkte auch im anschließenden Festprogramm mit.

Durch die regen und vielseitigen Aktivitäten erhöhte sich der Mitgliederstand weiter. 1951 stießen Heinrich Roßner, Peter Rößler, Hans Altendorf, Georg Steinmann, Ludwig Kindinger, Ludwig Sauer und Rudi Müllerklein zum Verein und erhöhten den Mitgliederbestand auf 85.

 

In der Jahreshauptversammlung am 2. Februar 1952 würdigte Rechner Philipp Germann besonders diese Mitgliederentwicklung und die „finanziellen Fortschritte“. Endlich sei der „langersehnte finanzielle Rückhalt geschaffen“ worden. Zum 90. Gründungsjubiläum solle kein großes Fest organisiert, sondern nur eine „schlichte, interne Vereinsfeier“ gestaltet werden. Zudem waren wieder Theaterabende und ein Fastnachtsball vorgesehen.

Im Jubiläumsjahr veranstaltete die Eintracht dann erstmals einen Ausflug, der in die Vereinsgeschichte eingehen sollte. Schon in der Jahreshauptversammlung wurde lange über die Durchführung diskutiert. Schließlich beauftragte der Vorstand Fritz Hechler mit der Planung und Ausführung.

 

Dieser brachte es fertig, 130 Personen zur Mitreise zu bewegen. „Pünktlich um 6 Uhr“ ging die Fahrt ab Vereinslokal in „vier großen Omnibussen der Firma Werner/Gronau“ los. Entlang der Bergstraße, über Darmstadt, durch das Rhein-Main-Gebiet, an Wiesbaden vorbei kamen die Reichenbacher um neun Uhr in Aßmannshausen an. Von dort ging es zu Fuß hoch zum Niederwalddenkmal, von dem aus ein „herrlicher Ausblick über unser schönes deutsches Weinland“ genossen wurde.

 

Nach dem Abstieg und kurzer Einkehr in Rüdesheim ging es mit der Fähre nach Bingen, wo man „pünktlich um zwölf Uhr“ im Gasthaus „Zum Rolandseck das Mittagessen einnahm. Im Lokal sang der Chor schöne Rheinlieder und eine Kapelle spielte zum Tanz auf. Weiter ging es ins Nahetal nach Ebernburg zum Stadtrundgang mit anschließender Einkehr. Um 20 Uhr fuhr die große Gruppe wieder in den Odenwald zurück und kam dort gegen 23 Uhr an. 

 

Hundert Jahre „Eintracht“ Reichenbach

 

Mit höheren Mitgliederzahlen, mehr Chormitgliedern, mehr Aktivitäten und einer gut gefüllten Kasse konsolidierte sich das Vereinsleben der Eintracht. Zum Ende des Jahrzehnts sangen 34 Männer im Chor und besuchten auch regelmäßig die Singstunden. Die Jahresprogrammfolge hatte sich eingespielt: Maskenball, Jahreshauptversammlung, Vereinsausflug, Teilnahme an Sängerfesten, Singen am Volkstrauertag und Familienabend. Zusätzlich wurden noch einige Ständchen bei Jubiläen und Geburtstagen gebracht und mit einem Lied am Grabe Vereinsmitgliedern die letzte Ehre erwiesen. Gerne wurden befreundete Chöre zu einem Liederabend eingeladen und Anfang der sechziger Jahre nahm die Teilnahme an solchen Treffen bei verbundenen Chören immer mehr zu.

 

Schon in der Jahreshauptversammlung am 26. März 1960 wurden erste Überlegungen zur Feier des hundertjährigen Jubiläums angestellt. Protokollant und Presseberichterstatter wiesen mit Stolz darauf hin, dass die Eintracht der älteste Verein im Dorf und inzwischen auch der einzige Gesangverein ist. So hatten die Arbeitersänger Anfang der fünfziger Jahre den Gesang eingestellt und widmeten sich ab 1954 nur noch dem Fußball. Personalprobleme hatte der Gesangverein „Liederkranz“, bei dem Ende der fünfziger Jahre das Chorlied verstummte.

 

Von dieser Entwicklung profitierte der Männergesangverein und konnte sich durch einige wechselnde Chorsänger weiter verstärken. Aus dieser komfortablen Situation heraus wurden die Vorbereitungen für das große Fest mit Selbstbewusstsein angegangen. In der Jahreshauptversammlung am 18. März 1961 bildeten die Mitglieder einen Festausschuss, dem August Eßinger, Jakob Baumunk, Peter Weimar, Wilhelm Hochgenug, Heinrich Laut, Karl Germann, Hans Kurz, Ludwig Kindinger, Karl Eßinger, Georg Weyhrauch, Willi Schmidt, Georg Reimund, Jakob Mink und Heinrich Eßinger angehörten.

 

Die Gruppe tagte in großer Runde erstmals im Mai und legte den Festtermin auf den 7. bis 9. Juli 1962. Die Großveranstaltung sollte auf dem Sportplatz des TSV stattfinden. In zahlreichen weiteren Sitzungen wurde das fast 3000 Personen fassenden Festzelt geordert, die Schausteller für einen Rummelplatz ausgewählt, die Vergabe des Lieferauftrages für das Bier an die Firma Guntrum in Bensheim vergeben, die Kapelle Bitsch-Knapp verpflichtet und Landrat Dr. Ekkehard Lommel die Schirmherrschaft angetragen.

 

Erfreulich für den Veranstalter war die Unterstützung durch die Bevölkerung. So waren viele Häuser mit Birkengrün, Fahnen und Girlanden geschmückt, das Dorf machte also einen bunten und festlichen Eindruck. Und nach ständigen Regenfällen an den vorausgehenden Tagen lachte am Festwochenende vom 7. bis zum 9. Juli die Sonne. Gut war der Zuspruch der Bevölkerung schon am Samstag beim Platzkonzert der Festkappelle auf dem Marktplatz. Am Festkommers mit dem Schirmherrn wirkten neben drei auswärtigen Gesangvereinen auch das Reichenbacher Doppelquartett und die „international bekannte

Trampolin-Truppe“ der TSG Bürstadt mit. 

 

Der 35 Zugnummern umfassende Festzug am Sonntag wurde angeführt von einer Jugendgruppe des TSV, die ihre Fahrräder blau-weiß geschmückt hatten. Es folgte die Festkapelle Bitsch-Knapp und der Spielmannszug des TSV unter der Stabführung von Philipp Wolf. Dann kamen die Ehrendamen in ihren weißen Festkleidern und weißen Pumps. In den Armen hielten sie rote Rosen oder Nelken.

 

Der Jubelchor wurde angeführt von den Fahnenträgern mit den beiden Vereinsfahnen, dem Vorstand und den Ehrenmitgliedern, sowie den Aktiven. Es folgten die lange Zahl der befreundeten Chöre, unter ihnen der Gesangverein „Harmonie“ aus Gadernheim, die „Sängerlust“ aus Lautern, der „Sängerbund“ Wilmshausen, „Frohsinn“ Elmshausen und das Reichenbacher Doppelquartett. Von den Reichenbacher Vereinen waren neben dem TSV auch der SSV, der Schützenverein, der Geflügelzuchtverein, die örtliche Gewerkschaft, der Spielmannszug der Feuerwehr und die Feuerwehr selbst dabei.

 

 

Mit dem Einzug der Festzugsteilnehmer und der Gäste war das Festzelt überfüllt und so mancher Besucher erhielt keinen Sitzplatz mehr. Auch beim Frühschoppen am Montag war das Festzelt gut gefüllt.

 

Viele Reichenbacher Betriebe hatten an diesem Tag geschlossen und spendeten ihren Mitarbeitern das eine oder andere Bier. Nachmittags folgte ein Volksfest mit Kinderbelustigung und ab 20.00 Uhr ein „bunter Abend mit namhaften Künstlern“. Nach dem „großen Zapfenstreich“ um 23.00 Uhr konnte noch getanzt werden.

 

 

Das große Fest der Eintracht im Juli 1962 war nicht nur ein zahlenmäßiger Erfolg bei der Beteiligung sowie für das Ergebnis in der Vereinskasse. Auch die Mitgliederzahl schnellte um 18 auf 133 in die Höhe. Wichtiger war aber noch die aufgrund der großen Organisationsleistung des Vereins gewachsene Anerkennung im Dorf und im Lautertal.

 

 

Die Zeiten ändern sich (1962 – 1987)

 

Das Fest zum 100-jährigen Jubiläum war der Höhepunkt des Vereinslebens der Eintracht in den ersten hundert Jahren. Auch 50 Jahre später ragt es von seiner Größe und seiner Bedeutung im Verein und im Dorf über alle anderen Ereignisse hinaus.

 

Dies hat verschiedene Gründe. So befand sich der Chor nach einer Schwächephase nach dem Krieg im Aufwind. Junge Mitglieder hatten frischen Schwung und neue Ideen ins Vereinsleben gebracht und die Basis der Eintracht beträchtlich erweitert. Fast alle Veranstaltungen dieser Zeit waren erfolgreich.

 

Die Gründe dafür lagen auch in der Entwicklung unseres Landes. Dem Kriegstrauma folgte in den fünfziger und sechziger Jahren das „Wirtschaftswunder“. Die Menschen wollten und konnten jetzt wieder feiern, sich bei Festen auch etwas leisten. Und sogar mehrere Vereinsbeiträge waren finanziell zu verkraften.

 

Das Protokollbuch vermerkt im so erfolgreichen Jubiläumsjahr gleich 18 Eintritte: Ludwig Kaffenberger, Adam Schmitt, Pfarrer Georg Mager, Adam Delp sen., Georg Kindinger jun., Friedrich Mößinger, Richard Bessinger, Fritz Gerlach, Leo Meyer, Franz Karnoll, Heinrich Beutel, Peter Trodt, Peter Bohn jun., Heinz Lipka, Heinrich Vetter, Peter Heist, Willi Pfeifer und Hans Roth.

 

Bei einer Mitgliederzahl von jetzt 133 kamen 72 Eintrachtler (also kaum glaubliche 54 Prozent) zur Generalversammlung am 23. März 1963. Sie wählten einen leicht veränderten Vorstand. Vorsitzender blieb Peter Bohn, ihn vertrat Heinrich Weyhrauch, Rechner wurde Karl Mink, Schriftführer blieb Peter Kaffenberger. Zu Beisitzern wurden Hans Lampert, Jean Schmitt, Philipp Hechler, Karl Sauer, Philipp Germann, Walter Gehbauer, Heinrich Laut und zum Kassierer Fritz Kindinger verpflichtet. Zu Kassenprüfern wurden Fritz Becker, Ludwig Sauer und Jean Horn bestimmt.

 

Elferratssitzungen als „Highlights“ des Vereins

 

Höhepunkte des Vereinslebens nach dem großen Jubiläumsfest waren die Elferratssitzungen. Unter dem Motto „Heut` sind wir fidel“ starteten die Sänger bei zwei Sitzungen 1963 in die tollen Tage. Unter den Klängen der Kapelle Bitsch-Knapp zog der Elferrat in den vollbesetzten Saal des Vereinslokals ein. Sitzungspräsident war über viele Jahre hinweg Karl Sauer. Seine Frau Gretel war für die Kostümierung, originelles Aussehen und den glatten Ablauf verantwortlich.

 

Nachrichten aus aller Welt und aus dem Dorf glossierte der Sprecher der „Reichenbacher Nachrichten“ Adam Schneider. Als „Tanzgruppe Geißler“ fegten Ingrid und Heidi, sowie Hannelore Mink über die Bühne, begleitet von Georg am Klavier. Erstmals trat das „Doppelquartett“ der Eintracht auf. Karl Schattenfroh, Tenor der in den fünfziger und sechziger Jahren so erfolgreichen Reichenbacher Gruppe, sang den „Postillion von Lonjumeau“ und das „Chianti Lied“. Wie so oft bei seinen Auftritten erhielt der begnadete Sänger stürmischen Applaus.

 

Seine Erfahrungen als Stammtischbruder gab Ludwig Sauer zum Besten und als „schlampisch Bawett“ und „babbisch Käth“ ließen Günter Kindinger und Josef Glückschalt ihr komisches Zwiegespräch vom Stapel. Karl Sauer glossierte die Straßenarbeiter und ihren Polier und ein buntes Kaleidoskop brachte die Gesangsgruppe der Eintracht auf die Bühne. BA-Berichterstatter Karl Germann („ag“) betonte, dass „auch der Bürgermeister nicht verschont blieb“, nämlich er selbst.

 

Gerhard Horn (Gesang) und die Tanzgruppe Geißler versetzten die Zuschauer auf den Montmartre, und mit einem ungarischen Tanz gefielen Heidi Geißler und ihr Partner von der Staatsschule für Tanz und Musik in Frankfurt. Karl-Walter Blumb erzählte als Bensheimer Original von den Freuden und Leiden der Müllmänner und Philipp Hechler spielte sich in „seiner derben kräftigen Art“ als Krakeeler auf.

 

Als Weltreisender gab Fritz Hechler seine Orts- und Länderkenntnisse weiter und Georg Weyhrauch spielte den Zahnkranken, während Karl Mink und Willi Pfeiffer als zünftig streitendes Ehepaar in der Bütt standen. Schon traditionell bildete ein heiteres Potpourri der Sänger, diesmal mit Berliner Melodien, den Abschluss der Sitzung.

 

Fast 40 Jahre waren fortan die Elferratssitzungen die Höhepunkte des Vereinslebens. 1964 wurden mit Ulrike Manz aus Seeheim und Marie Ortmeier aus Reichenbach sogar die ersten Frauen in der Bütt zugelassen.

 

Mit den Elferratssitzungen wurde aber nicht nur der Fasching zünftig gefeiert, sondern über die zahlreichen Einlagen der Sänger auch für den Chorgesang geworben. In ihm war die Eintracht bei öffentlichen Auftritten und Wertungssingen sehr erfolgreich. 1964 konnte er in Wiesbaden aus den Händen des Hessischen Kultusministers die „Zelter-Plakette“ für seine über ein Jahrhundert währenden kulturellen Aktivitäten entgegennehmen.

 

Carl-Friedrich Zelter (1758 – 1832) war deutscher Musiker, Musikpädagoge, Komponist und Dirigent mit größtem kulturpolitischem Einfluss in seiner Zeit. Nach ihm wurde die Zelter-Plakette benannt, die am 7. August 1956 von Bundespräsident Theodor Heuss für Chöre gestiftet wurde.

 

Ihre verbandslose Zeit beendete der Männergesangverein ebenfalls 1964, als er dem Sängerkreis Bergstraße beitrat. Der Sängerkreis war Teil des deutschen Sängerbundes, dem Dachverband der Chöre, der wie die Eintracht 1862 gegründet wurde.

 

Eine Änderung im Jahresprogramm gab es ab 1970. Erstmals wurde eine fünftägige Urlaubsreise ins Zillertal unternommen. Walter Gehbauer, Heinrich Weyhrauch und Walter Lampert hatten die Tour vorbereitet und auch zur Zufriedenheit der Teilnehmer organisatorisch abgewickelt.

 

Die "Eintracht" feiert ihr 110. Gründungsjubiläum.

 

Erste Überlegungen zum 110-jährigen wurden in der Generalversammlung am 6. März 1971 angestellt. Die 47 stimmberechtigten Mitglieder fassten den Beschluss, „das 110-jährige Bestehen im großen Festzelt vom 1. bis zum 3. Juli 1972 zu feiern“.

 

Die richtungsweisende Zusammenkunft wurde mit den Chören „Timokwein“ und „Am Ufer“ eröffnet. Vorsitzender Heinrich Weyhrauch begrüßte neben den Ehrenmitgliedern besonders Bürgermeister und Vereinsmitglied Karl Germann. Der Kassenbericht ergab, dass die Ausgaben um 200 DM höher lagen, als die Einnahmen. Deshalb wurde die Erhöhung des Jahresbeitrages von zehn auf 12 DM beschlossen.

 

Ferner sollte ab sofort nicht mehr jedes Jahr, sondern nur noch alle zwei Jahre ein neuer Vorstand gewählt werden. Neuer Vorsitzender wurde Walter Lampert, ihn vertrat Philipp Hechler. Neuer Schriftführer wurde Peter Kaffenberger. Die „restlichen Vorstandsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt“.

 

Zu Ehrenmitgliedern wurden nach 40-jähriger Mitgliedschaft Karl Essinger und Peter Kindinger ernannt. Als fleißige Singstundenbesucher ehrte der Vorsitzende Walter Gehbauer, Josef Morbitzer, Karl Mink, Ludwig Kaffenberger, Heinrich Bormuth, Philipp Hechler, Karl Horn, Karl Lampert, Reinhold Wendler, Helmut Kaffenberger und Hans Lampert. Vier von ihnen sind auch 2012 im Jubiläumschor vertreten und gehören heute noch zu den eifrigsten Singstundenbesuchern.

 

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 23. Oktober 1971 wurden verschiedene  Ausschüsse gebildet, die das Fest vorbereiten sollten. Dem Wirtschaftsausschuss gehörten Peter Kindinger sen., Klaus Rengel und Reinhold Bitsch an. Heinrich Weyhrauch, Ludwig Kaffenberger, Heinrich Bormuth, Fritz Kindinger und Hans Lampert arbeiteten im Vergnügungsausschuss, dem Finanzausschuss gehörten Karl Mink, Walter Gehbauer, Reinhold Wendler und Peter Kaffenberger an und im Bauausschuss waren Peter Bohn sen., Wilhelm Schneider, Helmut Kaffenberger, Karl Delp und Georg Essinger vertreten.

 

Mit dem Druck eines Festbuches wurde die Firma Gmeiner in Bensheim beauftragt, die 500 Exemplare für 1.500 DM herstellte. Dekan Georg Mager sollte wieder die Festrede halten und mit der Festkapelle Krain aus Brensbach wurden die Verträge abgeschlossen. Schließlich legten die Mitglieder noch fest, dass am Festsonntag die beiden Reichenbacher Spielmannszüge die Bevölkerung um sechs Uhr früh wecken sollten.

 

Alle machten also mit, alles war vorbereitet, doch der Wettergott hatte kein Einsehen. „Bei strömendem Regen wurde mit dem Zeltaufbau auf dem TSV-Sportplatz begonnen“, schrieb Peter Kaffenberger in das Protokollbuch. Wohl hörte der Regen am Freitag auf, doch die Sonne versteckte sich weiterhin. Bei nasskaltem Wetter „füllte sich das Festzelt beim Tanzabend für junge Leute nur langsam“. Trotzdem wurde „fröhlich und vergnügt“ bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

 

Am Samstagmorgen schlugen Vereinsmitglieder große Mengen von Birken und gaben diese an die Hausbesitzer weiter. Mittags zeigte sich das Dorf mit Birken, bunten Fahnen, die vom Verein verliehen wurden, und Girlanden von seiner besten Seite. „Jeder Einwohner beteiligte sich an der Ausschmückung“.

 

Mit einem halbstündigen Platzkonzert vor dem Rathaus begannen am Samstag die Jubiläumsfeierlichkeiten. Anschließend zogen Kapelle, Chormitglieder und die Bevölkerung in einer Art Festzug in das Festzelt ein. Dort eröffnete die Eintracht mit dem Sängergruß „Ein Hoch dem deutschen Männergesang“ den Festkommers. Vorsitzender Walter Lampert begrüßte sechs Gastvereine, darunter das Reichenbacher Doppelquartett.

 

Zusammen mit dem extra gebildeten Kinderchor sang der Männerchor das „Lied der Freude“ und erhielt dafür „riesigen Beifall“. Ehrendame Ursula Walter sprach den Prolog und der Chor folgte mit „Das Leben bringt groß Freud“. Willi Schmidt, Adam Lang, Philipp Baumunk, Adam Delp sen., Leo Meyer und Jakob Dörrschuck wurden nach 40-jähriger Mitgliedschaft zu Ehrenmitgliedern ernannt und Georg Geißler erhielt aufgrund seiner 25-jährigen Dirigententätigkeit die silberne Ehrennadel des deutschen Sängerbundes.

 

Nach der mit viel Beifall bedachten Festrede von Dekan Georg Mager gratulierten die Ortsvereine und überreichten die obligatorischen „Briefchen“. Bei „Dicke-Backe-Musik“ der Festkapelle Krain tanzten, sangen und tranken die Besucher bis in den frühen Sonntagmorgen, an dem sie schon um sechs Uhr von den Spielmannszügen der Feuerwehr und des TSV aus den Federn geholt wurden.

 

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Evangelische Kirche dann beim Festgottesdienst, in dem der Chor „Die Himmel rühmen“ sang. Eine kleine Feier zu Ehren der verstorbenen Vereinsmitglieder am Ehrenmal vor der Kirche rundete den Festgottesdienst ab.

 

Der historische Festzug von 1972

 

Er stellte sich in der Knodener und der Hohensteiner Straße auf, um von hier aus durch das Dorf und das „Eck“ zum Festplatz zu laufen. Angeführt wurde der Zug durch eine Reitergruppe, der Festkapelle und den bunt gekleideten Festdamen. Ihnen folgten die Wagen mit den Ehrenmitgliedern. Die aktiven Sänger liefen zu Fuß und zeigten sich so den trotz des verhangenen Himmels zahlreich gekommenen Zuschauern.

 

Als Gastvereine liefen „Sängerlust“ Lautern, „Liederkranz“ Bürstadt, „Harmonie“ Gadernheim, „Sängerlust“ Brandau, „Einigkeit“ Ober-Beerbach, GV Frankenhausen, „Eintracht“ Gronau, „Sängerbund“ Wilmshausen, GV Seeheim und „Sängerlust“ Schlierbach im Festzug mit. Von den Ortsvereinen waren Doppelquartett, OMC, TSV, Schützenverein, SSV, Feuerwehr, sowie die Stammtische „Lügenbeutel“ und „Zur Sonne“ dabei.

 

 

Reichenbachs schönstes Fest“ titelte die Heimatzeitung in ihrem Bericht über das Jubiläumswochenende. „Der schönste Festzug in Reichenbach“, „Wirklich einmalig“ und „Die haben sich aber Mühe gegeben“ notierte Walter Koepff die Zuschauer-Meinungen im BA-Bericht. Insgesamt sechs Fotos veröffentlichte der Reichenbacher Lehrer, der 1971 mit dem Fotografieren für die Presse begann und jetzt sein 40. „Dienstjubiläum“ feiern konnte.

 

Seine Bilder und die anderer Fotografen zeigen von diesem Tag ein Wolken verhangenes, aber wenigstens trockenes Reichenbach. Auf der Nibelungenstraße war noch das Granitpflaster zu sehen, das schon kurze Zeit später der Verbreiterung und Erneuerung zum Opfer fiel. Die vorbereitenden Arbeiten dafür setzten schon 1971 ein, als die Lauter unter die Erde verlegt wurde. Auf den Fotos waren auch schon die neuen Masten für die Straßenlampen zu sehen.

 

Dem bunten Festzug schloss sich ein Freundschaftssingen im voll besetzten Festzelt an. Abends spielte die Festkapelle zum Tanz auf. Der montägliche Frühschoppen artete in einen „Spätschoppen mit häuslichem Gewitter“ aus, wie Peter Kaffenberger im Protokollbuch vermerkte:

 

„Ei, ei, ei, ei, die Gaas is weg“ spielte und sang die Festkapelle. Dass aber in Reichenbach niemals die „Gaas“ weg sein kann, bewiesen einige junge Männer und schleppten ein Tier dieser Art in das Festzelt. Die „an Wirtschaftsluft bereits gewöhnte Ziege“ gab auf dem Podium der Festkapelle „den Takt mit herab fallenden Perlen an“.

 

Im wiederum vollbesetzten Festzelt feierten dann die Eintracht und ihre Gäste bei bunter Unterhaltung ein erneut erfolgreiches Jubiläum. Auch beim Abbau der Festanlagen am nächsten Tag und beim abschließenden Freibier im Vereinslokal waren sich Organisatoren und Helfer einig: Das Fest war „trotz schlechten Wetters ein voller Erfolg“.

 

Neue Ideen, neuer Schwung

 

Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre wurde nicht nur das Fernsehen bunt, die Haare länger und die Röcke kürzer. In Deutschland trat ein gesellschaftlicher Wandel ein, der Kriegs- und Nachkriegszeiten abschloss. Unser Land brach zu neuen Ufern auf. 

 

Eine Ära ging auch bei der Eintracht zu Ende. Bei einem Familienabend im Vereinslokal wurde am 10. November 1973 der langjährige Chorleiter Lehrer Georg Geißler verabschiedet. Geißler übernahm den Dirigentenstab 26 Jahre vorher. Damals hatte er nach dem Pressebericht von Karl Germann im BA „einen Stamm von 14 älteren Sängern übernommen und zu einem heute 35 Sänger starken Chor geführt“. Geißler leitete zudem ab 1949 die „Sängerlust“ in Lautern und seit 1950 den „Sängerbund“ in Wilmshausen.

 

Neuer Dirigent wurde Volker Seitz. Der Lehrer kam über musizierende Schüler und den Singkreis Schwanheim zum Chorgesang. Mit der Eintracht arbeitete er verstärkt auf öffentliche Chorkonzerte, die Teilnahme an Musiktagen und Pokalsingen hin. Damit hatte der Männergesangverein Erfolg, erreichte neben zwei ersten Plätzen stets gute Platzierungen. Mit der Höchstnote „Hervorragend“ wurde 1975 beim Kreiswertungssingen das Spiritual „Swing low“ bewertet.

 

Mit großem Engagement wurden gemeinsam mit dem Frauenchor und dem Singkreis Schwanheim Konzerte im Bürgerhaus in Bensheim, in Schwanheim und in Reichenbach durchgeführt. Dabei profilierte sich der Chor nicht nur mit moderner Literatur für Männergesangvereine, sondern wirkte auch in überzeugender Manier im großen gemischten Chor der Singgemeinschaft Reichenbach/Schwanheim mit. 1979 war die Eintracht sogar im Hessischen Rundfunk zu hören.

 

Ein Höhepunkt der Ära Seitz waren sicher die Bensheimer Musiktage 1980 mit einem festlichen Opernabend im Parktheater. Daran wirkten die Sopranistin Donna Woodward und die Altistin Gisela Hein mit. Einen gemeinsamen Chor bildeten der Singkreis Schwanheim, der Frauenchor Reichenbach und der MGV „Eintracht“ Reichenbach. Als Kammerorchester trat das Collegium Musicum Bergstraße unter der Leitung von Manfred Hein auf.

 

Eröffnet wurde der Abend mit zwei Chören aus der „Cäcilienode“, „Durch Harmonie“ und „Nun öffnen wieder sich die Herzen“ aus dem Schlusschor „Julius Cäsar“, jeweils von Georg Friedrich Händel. Ausschließlich Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart sang die Singgemeinschaft dann mit „O Isis und Osiris“, dem Chor der Priester aus „Die Zauberflöte“, „Der Friede lebe“ und „Still ist im Meer die Welle“, zwei Chören aus „Idomeneo“ und „Schon weichet dir, Sonne“, einem Chor aus dem Historischen Drama „Thamos, König in Egypten“.

 

Mit Kompositionen von Albert Lortzing ging es nach der Pause weiter: „Auf, munter, Brüder, munter“, dem Chor der Schustergesellen aus „Hans Sachs“ und „Sprühe Flamme! Glühe Eisen!“, dem Chor der Schmiedegesellen aus „Der Waffenschmied“. Es folgte „Was gleicht wohl auf Erden“, dem Jägerchor aus „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber und „Lasst froh die Hörner erschallen“, dem Chor der Jäger und Hirten aus „Wilhelm Tell“ von Gioachino Rossini.

 

Abgeschlossen wurden die Chorauftritte mit „Züchtig Bräutlein, darfst erscheinen“, einem Hochzeitslied aus „Undine“ von Albert Lortzing, „Hört die Glocken“, dem Hochzeitschor aus „Allessandro Stradella“ von Friedrich von Flotow und „Endlich riss der Wolkenschleier“, dem Chor der Spaziergänger aus „Pique Dame“ von Peter I. Tschaikowsky. Abschluss und Krönung der Chorgesänge war der Gefangenenchor aus „Nabucco“, „Teure Heimat“ von Guiseppe Verdi.

 

Als „wohl einmalig in unserer Vereinsgeschichte“ bezeichnete Schriftführer Peter Kaffenberger dann auch im Protokollbuch das Chor-Konzert vom 27. September. „Bei den Zuschauern, die das Parktheater bis auf den letzten Platz füllten, kam das Konzert sehr gut an und wurde reichlich mit Beifall belohnt. Auch den aktiven Sängerinnen und Sängern wird dieses ewig in Erinnerung bleiben“, heißt es dazu.

 

Das Konzert fiel in eine Zeit, in der die Eintracht rege und vielseitige Aktivitäten entwickelte:

 

01., 02., 08., 09.02: Elferratssitzungen im Gasthaus „Zur Traube“ unter dem Motto „Ein bisschen Spaß muss sein“. 

Sitzungspräsident war Fritz Hechler. Alle Sitzungen waren ausverkauft.

10.02.:Elferratssitzung für die Senioren der Gemeinde.

16.02.:                                                                     Kostümball im Vereinslokal mit der Kapelle „Royal-Trio“.

01.04.:                                     Auf dem Weg zur Singstunde verstarb Chormitglied Josef Morbitzer.

Die Eintracht gab ihm das letzte Geleit und würdigte ihn mit einem Lied am Grabe.

12.04.:                                           Als Zuhörer besuchten die Sänger das Chor-Konzert des MGV Wilmshausen.

01.05.:                             Ständchen beim 65. Geburtstag von Heinrich Weyhrauch.

31.05.:                               Der Chor singt beim Empfang der Gäste aus dem englischen Radlett.

07.06.:               Beim Steinarbeitertreffen der Gewerkschaft singt die Eintracht vor über tausend Gästen.

13.-17.06:                             Vereinsausflug nach Anger in Oberbayern.

11.07.:                                     Teilnahme am Sängerfest in Brandau und Ständchen beim 70. Geburtstag von Philipp Baumunk.

19.07.:                           Ständchen bei der Hochzeit von Erich Sauer in der evangelischen Kirche.

30.08:                     Kirchweihtanz im Gasthaus „Zur Traube“ mit den „Swing-Stars“.

11.10.:                                   Familienabend im Gasthaus „Zur Traube“.

08.11.:                                            Der Chor singt beim Liederabend des Frauenchors anlässlich deren fünfjährigen Bestehens.

16.11.:                          Traditionelle Teilnahme an der Gedenkfeier am Volkstrauertag.

13.12.:                            Singen bei der Jahresabschlussfeier des OMC.

14.12.:                               Auftritt bei der Seniorenfeier der Gemeinde.

19.12.:                                    „Wurstabend“ im Gasthaus „Zur Traube“.

Vom „Vereinsnikolaus“ erhielt jeder Sänger ein Weihnachtspräsent.

31.12.:                                Ständchen bei der Silberhochzeit von Georg und Margarete Eckel.

 

In dem ereignisreichen Jahr hatte die Eintracht 39 aktive, 116 passive und 15 Ehrenmitglieder, insgesamt also 170 Mitglieder. Chorleiter war Volker Seitz. Der Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: Philipp Hechler (Vorsitzender), Heinrich Laut (Stellvertreter), Karl Mink (Rechner), Peter Kaffenberger (Schriftführer), Walter Gehbauer, Ludwig Kindinger, Georg Essinger, Ludwig Kaffenberger, Helmut Kaffenberger und Hans Lampert (Beisitzer), Reinhold Wendler (Archivar) und Hans Bremstaller (Pressewart), Heinrich Weyhrauch, Reinhold Bitsch und Hermann Dielmann (Kassenprüfer).

 

Im Jahre 1980 fehlten Helmut Kaffenberger, Ludwig Kaffenberger und Philipp Hechler bei keiner Singstunde. Nur eine Stunde versäumten Karl Lampert und Karl Horn. An nur zwei Übungsabenden fehlten Walter Gehbauer, Hans Lampert, Karl Delp, Jakob Delp, Karl Mink, Ludwig Kindinger, Oskar Schwab und Rainer Schminke.

Alle fleißigen Singstundenbesucher wurden mit einem Ehrenglas ausgezeichnet.

 

Der Männergesangverein wird 120 Jahre alt

 

Mit einem Platzkonzert der Festkapelle „Edelweiß“ auf dem Marktplatz wurde 1982 das 120-jährige Jubiläum eröffnet.

 

 

Mit den Lorschern voran marschierte der Männerchor durch die  Beedenkirchener Straße und den Seifenwiesenweg hin zur festlich geschmückten „Röderhalle“, in der diesmal drei Tage lang die Jubiläumsfeiern stattfanden.

 

Nach einem Musikstück der Festkapelle und dem Sängergruß der Eintracht unter Dirigent Volker Seitz, begrüßte Vorsitzender Philipp Hechler die Gäste. Trotz aller „stürmischen Zeiten“ mit Kriegswirren und „Auf und Ab im Vereinsleben“ habe sich der Verein „gehalten“. Auf ihre lange Tradition könne die Eintracht stolz sein, aber davon alleine könne der Verein nicht leben. Hechlers Dank galt ganz besonders dem Chorleiter Volker Seitz, „der mit moderner Chorliteratur den Weg in die Zukunft weise“.

 

Als Eröffnungschor trug dann der Jubiläumsverein aus der Oper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart den Priesterchor „O Isis und Osiris“ vor. Am Klavier begleitete Mari Anik Teichgräber aus Bensheim.

 

Frisch und munter war danach der Auftritt des

Kinderchors Lautertal mit Gertraude Kramolisch als Dirigentin und den Liedern: „Wenn die bunten Fahnen wehen“, „Gib mir noch ein Stückchen Zucker für mein Pony“ und als Zugabe „Alle Reichenbacher Chöre singen heute hier im Lautertal“.

 

Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden vom stellvertretenden Sängerkreisvorsitzenden Valentin Grieser Hermann Dielmann, Georg Flügel, Georg Reimund und Albert Von der Heydt geehrt.

 

Ehrenmitglieder der Eintracht  wurden Kurt Angermann, Fritz Gerlach, Peter Kaffenberger, Ludwig Krauß, Georg Mager, Dr. Wolfgang Müller und Peter Weyhrauch.

 

 

An dem Kommersabend folgte die volkstümliche Weise von Friedrich Silcher „Hab oft im Kreise der Lieben“, gesungen von der Eintracht. Der Kirchenchor unter der Leitung von Gertraude Kramolisch sang „Lobet Gott getrost mit Singen“ und „Ehre sei Gott in der Höhe“ von Johann Sebastian Bach. Der Frauenchor unter der Leitung von Volker Seitz brachte „Von den Bergen zu den Hügeln“ und das alte Volkslied „Wenn ich ein Vöglein wär“.

 

Gemeinsam sangen dann Frauenchor und Männerchor unter der Leitung von Volker Seitz das Negro Spiritual „Go down Moses“ im Satz von Berhard Weber. Lang war die Liste der Ehrengäste und Vereinsvertreter, die Glückwünsche übermittelten und die obligatorischen Briefchen brachten: Bürgermeister Josef Weitzel, Kurt Wolf (Kinderchor Lautertal), Heinrich Mink (Posaunenchor), Christel Kaffenberger (Frauenchor), Manfred Knebel (VdK), Jakob Röder (SSV), Georg Roßmann (Verkehrsverein Lautertal), Wolfgang Essinger (TSV), Karl Kaffenberger (Schützenverein), Waltraud Dörrschuck (Verschönerungsverein), Klaus Eckel (OMC), Karl Rauch (DRK), Dieter Horn (Feuerwehr), Walter Koepff (Fotoclub), Dieter Oster (Vogelschützer), Helmut Metzger (Geflügelzuchtverein), Helmut Lechner (APEG und Radlett Choral Society).

 

Auch am Samstag wurde das Fest mit „klingendem Spiel“ eröffnet, diesmal durch den Spielmannszug der Feuerwehr Reichenbach unter der Stabführung von Dieter Horn.

Wie am Vortage marschierten die Musikgruppe und die Sänger vom Marktplatz aus in die Festhalle. Dort hielt Pfarrer Eberhard Schindler die Festrede. Er stellte die Frage, was das rechte Wort bei solch einer Veranstaltung wäre? Ein Wort, das nachdenklich, aber auch froh mache? Die Gesangvereine konsumierten nicht die Musik, sondern sie übten sie aus. Das gemeinsame Lied sei eine große Hilfe, die Einsamkeit zu überwinden.

 

Durch das Freundschaftssingen führte dann in „ansprechender Weise“ Peter Kaffenberger. Er begrüßte die Chöre GV 1843/1922 Alsbach, Liederkranz 1846 Bensheim, MGV Harmonie 1861 Bensheim, MGV Harmonie Hummetroth, GV Singkreis Schwanheim, MGV Eintracht Gronau, GV Germania Klein-Bieberau, MGV Harmonie Gadernheim, MGV Liederkranz Winterkasten, MGV Sängerbund Wilmshausen, GV Volkschor 1907 Bürstadt, GV Sängerlust Lautern und MGV 1868 Langen-Brombach.

 

Die Eintracht überreichte jedem ihrer Gastvereine einen Zinnteller zur Erinnerung mit Inschrift. Im Teller war das Vereinslokal mit der Reichenbacher Kirche abgebildet. Nicht in der evangelischen Kirche, sondern in der Festhalle war dann am Sonntag bereits um neun Uhr der Festgottesdienst, der von Pfarrer Eberhard Schindler zelebriert wurde. An ihm wirkten auch die Fürther Kirchenmusiker mit.

 

Nach dem Gottesdienst feierten die Eintracht und ihre Gäste in der Festhalle das besondere Jubiläum. Mit dabei war auch die Delegation aus Radlett, die sich über das Festwochenende in Reichenbach und Lautertal recht wohl fühlte. Für die Kleinen gab es noch einen Festplatz mit Verkaufsständen und einem Karussell. Auch von diesem Angebot wurde reger Gebrauch gemacht, so dass das 120-jährige Jubiläum der Eintracht insgesamt zu einem rundum gelungenen Fest wurde.

 

Ära Philipp Hechler / Volker Seitz geht zu Ende

 

Zwei Ären gingen Anfang der achtziger Jahre beim Männergesangverein Eintracht zu Ende. Am 12. März 1983 machte Philipp Hechler seine Ankündigung wahr und stand nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden zur Verfügung. Er hatte die Leitung des Vereins 1973 übernommen und zählte mit zehn „Amtsjahren“ zu den langjährigen Vorsitzenden.

 

In seine Zeit fielen die Wechsel der Dirigenten von Georg Geißler auf Volker Seitz und das 120-jährige Vereinsjubiläum. Zudem errangen die Sänger in diesen Jahren hohe Auszeichnungen, die Zahl der Veranstaltungen nahm beträchtlich zu und auch die Mitglieder wurden mehr.

 

Hechlers Nachfolger Hans Bremstaller würdigte dann auch dessen Verdienste. Als erstes Vereinsmitglied erhielt er die Lautertaler Medaille in Bronze mit der Inschrift „Für 10-jährige Tätigkeit als 1. Vorsitzender“. Zudem wurde Philipp Hechler zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

 

Nur ein Jahr später legte Dirigent Volker Seitz den Taktstock zur Seite. Am 22. Oktober 1983 hatte er noch maßgeblich dazu beigetragen, dass die Bensheimer Musiktage wieder zu einem Erfolg für die beiden Reichenbacher Chöre und den Singkreis Schwanheim wurden. „Mit mehr als 130 Musikanten war die Bühne des Parktheaters fast überfüllt“, schrieb damals Detlev Reinert im Bergsträßer Anzeiger.

 

Unterstützt von dem Bassisten Hans-Joachim Porcher, der Sopranistin Gabriele Marnet und dem verstärkten Collegium Musicum Bergstraße legte sich das „kritische Stirnrunzeln anlässlich des gewagten Programms schon nach dem Start“. Und „das Wagnis Oper hat sich für Volker Seitz und seine Chöre nach diesem Abend voll gelohnt. Die eineinhalbjährige Arbeit steht in einem vollends gelungenen Verhältnis zu dem musikalisch Gebotenen. Ähnliche Projekte werden es sich in den nächsten Jahren jedenfalls gefallen lassen müssen, an diesem Abend gemessen zu werden“, schrieb damals der BA.

 

Der große Erfolg und auch die Ehrung für seine zehnjährige Dirigententätigkeit beim Familienabend 1983 konnten Volker Seitz nicht mehr umstimmen. Im November 1983 teilte er dem Vorstand mit, dass er Ende Januar 1984 ausscheide.

In der Jahreshauptversammlung am 13. März 1984 würdigte Vorsitzender Hans Bremstaller die Verdienste des Ausgeschiedenen und rief zehn gemeinsame Jahre in Erinnerung. So habe die Eintracht bereits 1975 beim Kreiswertungssingen mit „hervorragend“ abgeschnitten und am Hessentag 1976 einen 1. Preis erhalten. 1977 folgte das erste Chorkonzert im Bürgerhaus in Bensheim und 1978 habe man das Kirchenkonzert zusammen mit dem Singkreis Schwanheim in Reichenbach und Schwanheim veranstaltet.

 

Ein großer Erfolg sei der festliche Opernabend 1980 im Parktheater Bensheim gewesen, dem 1982 ein Frühlingskonzert in Reichenbach folgte. Der Höhepunkt schließlich wäre der große Opernabend im Oktober 1983 gewesen. Mit diesen Veranstaltungen habe der Chor unter der Leitung von Volker Seitz das kulturelle Leben nicht nur innerhalb Lautertals bereichert, sondern auch ein Glanzlicht in der Vereinsgeschichte der Eintracht gesetzt.

 

Obwohl seine Haare inzwischen weiß geworden seien, sei die Zeit in Reichenbach eine erfreuliche Zeit gewesen, meinte Seitz. Die stolze Zahl der Konzerte sei beachtenswert. Auch wenn nicht immer alle mit ihm einverstanden gewesen wären, sei dies nicht der Grund seines Weggehens. Zehn Jahre seien genug, immer nur derselbe Dirigent könnte auch tödlich für einen Chor sein.

 

Seitz bat den traditionsreichen Verein zu bedenken, dass Tradition auch ein Hemmschuh sein könne. Die Eintracht solle weiterhin versuchen, mehr Jugend in den Chor zu bekommen, sonst sei sie eines Tages nicht mehr singfähig. Abschließend bat der so erfolgreiche Dirigent, seine öfters gezeigte Strenge zu entschuldigen. Sie hätten jedoch Leistungen hervorgebracht, die sich sehen lassen könnten.

Nachfolger von Seitz wurde Erich Baschta aus Reichelsheim.

 

 

 

Die „Eintracht“ wird 125, die Gemeinde 975 Jahre alt

 

„Das 125-jährige Vereinsjubiläum wird in der Zeit vom 10. bis 12. Juli 1987 auf dem Sportgelände des TSV Reichenbach gefeiert. Hierzu wird ein Festzelt für 2.000 Personen aufgestellt, das gemäß dem günstigsten Angebot von der Firma Drescher in Eschollbrücken zum Preis von 6.000 DM incl. Bestuhlung angemietet wird.

(Dieser Beschluss erfolgte einstimmig)“.

 

Der erste Beschluss des Vorstandes über das große Vereinsjubiläum erfolgte in der Sitzung am 04. November 1985. Doch wer schon große Feste mit organisiert hat, weiß: Die Probleme liegen im Detail. Aufgrund der Anfrage teilte der TSV mit, dass er sein Gelände gerne zur Verfügung stelle. Allerdings sei er vertraglich an die Darmstädter Brauerei gebunden und dürfe nur deren Bier verkaufen. Also mussten Angebote von verschiedenen Brauereien eingeholt werden. „Anschließend folgte wieder eine rege Diskussion über die Gestaltung sowie den Ablauf des Festes. Zu einem Beschluss kam es nicht“, schrieb Peter Kaffenberger ins Protokollbuch.

 

In der Vorstandssitzung am 25. März 1986 ging es dann um den Vergnügungspark. Dafür lag ein Angebot der Firma Heisel vor. Diese machte es allerdings zur Bedingung, dass sich das Fest auch über den Montag erstreckte. Für den vierten Festtag bot sie einen Bayerischen Abend an. Kapelle und Jodler sollten nicht mehr als 3.000 DM kosten. „Nach eingehender Diskussion“ biss der Vorstand dann in den sauren Apfel, allerdings unter der Bedingung, dass der Abend „nicht teurer als 3.000 DM wird“.

 

In der Jahreshauptversammlung am 05. April 1986 wurde der Festausschuss gebildet. Ihm gehörten folgende Mitglieder an:

Bauausschuss:                          Georg Eckel, Bernd Kindinger, Dieter Oster, Helmut Kaffenberger.

Finanzausschuss:          Karl Mink, Walter Gehbauer, Peter Kaffenberger, Philipp Bernhardt, Erika Bernhardt.

Wirtschaftsausschuss:   Ludwig Kaffenberger, Reinhold Bitsch, Richard Meckel jun., Philipp Degenhardt.

Vergnügungsausschuss:  Heinrich Weyhrauch, Reinhold Wendler, Fritz Hechler, Heinrich Bormuth.

 

In der Vorstandssitzung am 03. Juli 1986 kam es zur Festlegung der Kapellen. Am Freitag und Samstag sollten die „Schlierbachtaler Musikanten“, am Sonntagnachmittag die Fürther Kirchenmusik, zum Frühschoppen am Montag die Hauskapelle der Feuerwehr und am Montagabend die „Bessenbacher Musikanten“ spielen.

 

In der ersten Festausschuss-Sitzung am selben Tag wurde die Brauerei Rummel aus Darmstadt als Bierlieferant bestimmt. Nichtalkoholische Getränke sollte Mitglied Georg Rausch (Brückenberg) liefern und Flaschenweine werden über das Mitglied Jakob Delp bezogen. Während der Festtage wird eine Spülmaschine eingesetzt, die für 1.000 DM gemietet wird. Die Gestaltung der Festschrift übernimmt Heinrich Weyhrauch und Günter Pfeifer widmet sich den Festdamen. Die örtlichen Metzgereien werden aufgefordert, Angebote für den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren abzugeben.

 

Die volle Konzentration auf das große Jubiläumsfest legte dann der Vorstand in seiner Sitzung am 04. September 1986 fest. Um „Unstimmigkeiten unter den Sängern zu vermeiden“, wurden die Fastnachtssitzungen für 1987 abgesagt. Auch der Jahresausflug im Juni wurde ebenso gestrichen, wie der Kerwetanz im August.

 

Am 27. November vergab der Vorstand den Druckauftrag für die Festschrift an die Firma Groer und Möhler in Kolmbach. Da die Metzgerei Hermann Jährling das günstigste Angebot abgegeben hatte, wurde ihr der Auftrag für die gesamte Zeit des Festwochenendes erteilt.

 

Auf die Zielgerade gingen Vorstand und Festausschuss in ihren Sitzungen am 5. März, 29. April, 4. Mai, 19. Mai, in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 5. Juni, sowie einer Vorstandssitzung am 19. Juni. Darin ging es unter anderem um die Lieferung der Weine, die Einteilung der Hauptkasse und der Eintrittskassen, den Druck von Plakaten, Bestellung und Auslieferung von Fahnen, Schilder für die Festzugsnummern, Festlegung der Bedienungen, die personelle Besetzung in der Bar, Erstellung von Werbeschildern an den Ortseingängen, Bühnendekoration, Organisation des Festzuges, Eintritts- und Getränkepreise, Verzehrbons für die Helfer, Verkauf von Kaffee und Kuchen, Verkaufspreis für die Festschrift, Anfertigung der Festkleider für die Festdamen, sowie der Programmfolge für den Kommersabend.

 

Nach derart intensiven und langwierigen Vorbereitungen fieberte der ganze Verein natürlich dem Festwochenende entgegen. Und wurde erst mal tief enttäuscht. Beim Aufstellen des Festzeltes goss es wie aus Kübeln und Pessimisten befürchteten schon, dass das große Jubiläum im Regen ersäuft.

 

Doch bis zum Freitagabend besserte sich das Wetter zusehends, die Eintracht-Sänger dankten dafür beim Festkommers mit „Groß sind, o Herr, die Wunder Deiner Hände“ und der Reichenbacher Dekan Valentin Kaffenberger hielt eine beein- druckende Festansprache. Eintracht-Vorsitzender Hans Bremstaller hatte die Besucher und neben dem Gastgeber gleich neun weitere Chöre begrüßt: Eintracht Reichelsheim unter der Leitung von Erich Baschta, Frauenchor Reichenbach unter der stellvertretenden Chorleiterin Renate Habermaier, Harmonie Gadernheim (Heinrich Winkler), Volkschor Birkenau (Musikdirektorin Hedwig Appold-Kohl), Frohsinn Elmshausen (Heinrich Winkler), Kirchenchor Reichenbach (Gertraude Kramolisch), Singkreis Schwanheim (Volker Seitz), Sängerbund Wilmshausen (Wilhelm Tempel) und Sängerlust Lautern (Arnold Schäfer).

 

Schriftführer Peter Kaffenberger führte „unauffällig“ durch das Programm, wie Ehrenmitglied Karl Germann im Bergsträßer Anzeiger formulierte. Nach den Gesangsvorträgen spielte die „Schlierbachtaler Blasmusik“ ab 23.30 Uhr bis spät gegen zwei Uhr zum Tanz auf.

 

Zum Freundschaftssingen am Samstag waren 15 Vereine mit über 500 Chormitgliedern in das Festzelt gekommen: SKG Löhrbach, MGV Sängerlust Schlierbach, GV 1843/1922 Alsbach, MGV Germania Grasellenbach, MGV Liederkranz Einhausen, GV Eintracht Einhausen, MGV Eintracht Biblis, GV Fidelio Schönberg, GV Liederkranz Bensheim, MGV 1868 Langen-Brombach, MGV Eintracht Lindenfels, MGV Liederkranz Seidenbuch, MGV Harmonie Hummetroth, MGV Liederkranz Hambach und der MGV Eintracht Thurn.

 

Die Sangesfreunde aus Oberfranken hatten mit rund 300 Kilometern die weiteste Anreise zu bewältigen und trugen mit „Heimkehr“, „In den Wald“ und „Drei lachende Mädchen“ gleich drei Lieder vor. Ihr Vorsitzender Alfred Riedelmeier überreichte der Eintracht einen Bierseidel als Erinnerung. Nach ihrem Auftritt fuhren die Gäste mit dem Bus wieder zurück in die Heimat.

Begrüßt wurden die Sängerinnen und Sänger, Mitglieder, Honoratioren und Gäste auch diesmal vom Eintracht-Vorsitzenden Hans Bremstaller. Er hieß besonders Sängerkreis-Vorsitzenden Ernst Gugenberger aus Wilmshausen, Bürgermeister Gottfried Beyss, Gemeindevorsteher Eberhard Müller, Ortsvorsteher Albrecht Kaffenberger und 60 Gäste aus der französischen Partnergemeinde Jarnac willkommen.

 

„Zur Auflockerung inmitten der vielen Männer- und gemischten Chöre, kamen mit Frack und Zylinder 18 hübsche junge Frauen der Jazz-Gymnastikgruppe des TSV auf die Bühne und tanzten unter der Leitung von Heike Jackstedt zwei Jazz-Tanzeinlagen vor. Rhythmisch gut und eindrucksvoll umgesetzt ernteten sie viel Beifall und mussten noch eine Zugabe tanzen.

 

Ja, das war schon was für die Sängerherzen und dabei war es stiller im Festzelt, als es die mehrmaligen Bitten um Ruhe vermochten“, war im BA zu lesen.

Der Sonntag begann mit einem Festgottesdienst …

 

… und dem Gedenken an die verstorbenen Vereinsmitglieder.

 

 

Nachmittags folgte dann der große Festzug durch das Dorf, der gemeinsam mit der 975-Jahr-Feier Reichenbachs gleich zwei große Jubiläen in sich vereinigte. Die über 40 Festwagen, Fußgruppen und Zugnummern setzten sich wie folgt zusammen:

 

Mottoschild

Festkapelle „Katholische Kirchenmusik Fürth“

Festdamen

Jubiläumsverein MGV Eintracht

Ehrenmitglieder der Eintracht in zwei Kutschen

Reitergruppe

MGV Eintracht Gronau

Sängerlust Brandau

Sängerbund Kolmbach

Germania Klein-Bieberau/Webern

Rummellok

Fanfarenzug Nibelungenstadt Worms

Gemeinde Lautertal – Motivwagen Riesensäule

Schützenverein Reichenbach – Motivwagen

Vogelschutzgruppe Reichenbach – Motivwagen

SSV Reichenbach – Tieflader und Fußgruppe

Verschönerungsverein Reichenbach – Motivwagen

Freiwillige Feuerwehr Reichenbach – Fußgruppe

Geflügelzuchtverein Reichenbach – zwei Motivwagen

Spielmannszug Freiwillige Feuerwehr Kolmbach

TSV Reichenbach – drei Motivwagen und Fußgruppen (Sattelzug)

Frauenchor und Brauchtumsgruppe – Motivwagen und Fußgruppe

Schachclub Reichenbach – Motivwagen

APEG und Stadt Jarnac – Motivwagen und Fußgruppe

Skatasse Reichenbach – Motivwagen

Volksmusikgruppe Helga Schmitt – Tieflader

Volksbank Lautertal – Blumenwagen

OMC Reichenbach – mehrere Fahrzeuge und Krad

Bezirkssparkasse Reichenbach – Blumenwagen

Friseurhandwerk – Fußgruppe mit etwa 25 Personen

Spielmannszug Freiwillige Feuerwehr Krumbach

Sattler und Tapezierer – Motivwagen

Zimmererhandwerk – Motivwagen

Maurerhandwerk – Motivwagen

Landwirte – Motivwagen

Metzgerhandwerk – Motivwagen

Posaunenchor Gadernheim – Tieflader

Schornsteinfeger – Fußgruppe

Malerhandwerk – Motivwagen

Schmiedehandwerk – Motivwagen.

 

„Obwohl sich um die Mittagszeit der Himmel

strahlend blau gezeigt hatte, zog er sich immer

mehr zu, je näher die Zeit des Umzugs kam.

Manch einer der Besucher trug vorsichtshalber

einen Regenschirm unter dem Arm. Doch alle

Vorsichtsmaßnahmen erwiesen sich als überflüssig

Das Wetter blieb trocken“, schrieb Volker Schwan

im BA über den großen Festumzug

 „125 Jahre Eintracht – 975 Jahre Reichenbach“,

den der Männergesangverein und der Ortsteil

gemeinsam veranstalteten. Für Reichenbach trugen

Ortsvorsteher Albrecht Kaffenberger und sein

Stellvertreter Peter Kindinger die organisatorische Verantwortung.

Der Festumzug stellte sich am Felsenmeerparkplatz und im Seifenwiesenweg auf und schlängelte sich durch das Eck bis zum Rathaus. Von hier aus ging es links die Nibelungenstraße hoch bis in die damalige Hohensteiner Straße, Knodener Straße, Friedhofstraße zurück auf die B 47 und dann weiter bis zum Festplatz. Die meisten Zuschauer drängten sich wie immer auf der Kirchentreppe und um den Dorfmittelpunkt herum. Hier schlug den Festzugsteilnehmern auch der meiste, aufmunternde Applaus entgegen.

 

Die Ehrenmitglieder wurden selbstverständlich gefahren.

 

Im Festzelt traten noch einmal sechs Vereine auf, vier von ihnen waren bereits im Zug mitgelaufen. Abends wurde zum Tanz aufgespielt und am Montag folgte der obligatorische Frühschoppen, anschließend ein lustiger Nachmittag für die Kinder.  Höhepunkt und Abschluss zugleich war ein „Bayerischer Abend“ mit dem „Jodel-Weltmeister Thomas Scholl“ und der „Original Bessenbachtaler Blaskapelle“.

 

Schon am frühen Dienstagmorgen wurde mit dem Abbau der Innenausstattung und des Zeltes begonnen und bereits um elf Uhr war alles verpackt. Nachdem noch das Sportgelände und das Umfeld gesäubert waren, trafen sich die Helfer zu einem Umtrunk im Vereinslokal.

 

Über das Festwochenende zog Schriftführer Peter Kaffenberger eine positive Bilanz: „… das gesamte Fest lief reibungslos und harmonisch ab. Jeder der Sänger und Mitglieder hat mitgeholfen, dass das Jubiläumsfest ein voller Erfolg für den Verein war und noch lange in Erinnerung bleiben wird.“

 

In der Neuzeit angekommen (1987 – 2012)

Die Vereinsaktivitäten nehmen immer mehr zu

 

Große Ereignisse bringen meistens auch große Erfolge. Im Jubiläumsjahr (1987) konnte sich die Eintracht gleich über 24 Neueintritte freuen. Die Mitgliederzahl stieg auf 189. Im Folgejahr kamen noch einmal sechs dazu, so dass der Verein am 31.12.1988 die stolze Zahl von 48 Aktiven (einschließlich Dirigent), 137 passiven und zehn Ehrenmitgliedern, insgesamt also 195 Mitglieder hatte.

 

Mit den vielen neuen Mitgliedern erhöhte sich auch die Zahl der Vereinsaktivitäten weiter. Stellvertretend für den Schub der Vereinsaktivitäten nach dem Jubiläum seien hier die Jahresaktivitäten 1988 mit öffentlichen Auftritten, Festbesuchen, Veranstaltungen, Jubiläumsständchen genannt:

 

11. Februar:                Jubiläumsständchen zum 80. Geburtstag von Ehrenmitglied Peter Bohn

13. Februar:                Kostümball im Vereinslokal

03. März:                    Jubiläumsständchen zum 50. Geburtstag von Karl Lampert

02. April:                    Singen anlässlich der Hochzeit von Bernd Kindinger

16. April:                    Frühlingskonzert in der Lautertalhalle mir rund 650 Besuchern

03. Mai:                      Evangelische Woche in der Kirche in Beedenkirchen

07. Mai:                      Kreiswertungssingen in Auerbach

21. Mai:                      Singen anlässlich der Hochzeit von Udo Gehbauer

28. Mai:                      Festakt 40 Jahre VdK Reichenbach

29. Mai:                      Singen bei der Beerdigungsfeier von Mitglied Wolfgang Eßinger

11. bis 18. Juni:                      Vereinsausflug nach Feld am See in Kärnten

26. Juni:                      Festzug und Freundschaftssingen beim Jubiläum 100 Jahre Sängerbund Kolmbach

01. Juli:                       Festakt 100 Jahre Frohsinn Elmshausen

03. Juli:                       Festakt 90 Jahre Sängerlust Schlierbach

26. Juli:                       Singen bei der Beerdigungsfeier von Ehrenmitglied Fritz Becker

27. Juli:                       Jubiläumsständchen zum 75. Geburtstag von Ehrenmitglied Peter Kaffenberger

31. Juli:                       Jubiläumsständchen zum 50. Geburtstag von Reinhold Wendler

20. August:                 Festakt 90 Jahre Liederkranz Seidenbuch

27. August:                 Kerwetanz im Vereinslokal

30. August:                 Jubiläumsständchen zur Silberhochzeit von Reinhold Wendler

03. September:                        Singen anlässlich der Hochzeit von Günter Piatkowski

10. September:                        Tagesausflug und Freundschaftssingen 110 Jahre Eintracht Thurn

17. September:                        Liederabend Harmonie Gadernheim

01. Oktober:                Singen beim Jahrgangstreffen der 50-Jährigen

09. Oktober:                Theaterbesuch in Darmstadt („Eine Nacht in Venedig“)

25. Oktober:                Jubiläumsständchen zur Silberhochzeit von Hans Schultze

29. Oktober:                Familienabend mit Ehrungen im Vereinslokal

01. November:                        Jubiläumsständchen zur Silberhochzeit von Ludwig Kaffenberger

13. November:                        Singen zum Volkstrauertag am Ehrenmal

20. November:                        Singen zum Totensonntag in der Kirche

08. Dezember:            Jubiläumsständchen zum 75. Geburtstag von Dr. Wolfgang Müller

13. Dezember:            Jubiläumsständchen zur Silberhochzeit von Dieter Oster

16. Dezember:            Wurstabend im Vereinslokal.

 

 

 

Auch Tages- und Vereinsausflüge wurden regelmäßig durchgeführt, die stets große Teilnehmerzahlen aufwiesen.

 

Sie führten u. a. nach  …

 

1987  -  Trier

 

1989  -  Norddeutschland

 

 1997  -  München (Isar)

 

1991  -  Südfrankreich

 

 

 

Trotz Unterbrechungen gehörten auch die Elferratssitzungen zum festen Jahresprogramm der Eintracht sowie den Fastnachtern im Dorf. Schon in den fünfziger Jahren boten die Eintracht-Narren während den Kostümbällen Büttenreden oder Auftritte der Sänger an. So richtig in die Bütt stiegen sie jedoch erstmals ein Jahr nach dem großen Jubiläum.

 

1963 wurden unter der Regie von Karl Sauer drei Veranstaltungen im Saal des Vereinsheims angeboten, die alle ausverkauft waren (siehe 1963).

Stellvertretend für die vielen Sitzungen über fast vier Jahrzehnte hinweg wird das Jahr 1994 herausgegriffen.

 

 

Das neue Fastnachts-Mekka heißt Reichenbach“,

titelte der Bergsträßer Anzeiger am 07. Februar 1994, einem Montag. „Wer nicht dabei war, der hat etwas verpasst“, war zudem in der Heimatzeitung zu lesen. Sitzungspräsident und somit Verantwortlicher für den Ablauf der vier Veranstaltungen war Wolfgang Vetter. Er wurde durch Hans Bremstaller vertreten.

Vetter erntete im BA ein dickes Lob: „Ihm gelang es, ohne peinliche Ausrutscher und Plattheiten, aber mit trockenem, zeitweise satirischem Humor die Umbaupausen zu füllen, Zwischenrufe zu parieren, ohne dabei ernste Wahrheiten karnevalistisch außen vor zu lassen.“

 

„Besonderen Schwung und besondere Qualität bekam die Sitzung durch all die Beiträge, die mit Musik zu tun hatten. Die Kapelle „Sunrise“ untermalte die präzisen Auftritte der Gardemädchen, die sich förmlich außer Puste tanzen mussten. Da hätte manch einer gerne näher an der Bühne gesessen.

Zentimetergenau gingen die Beine in die Höhe, ob in Uniform und goldverzierter Kappe, oder ob beim flotten Cancan, erst als das strahlende Lächeln und als schließlich das rot behoste Hinterteil keck ins Publikum blitzte, waren sich alle einig: Was wäre die Reichenbacher Fastnacht ohne ihre Frauen?

 

Der Odenwälder Bauer Jim (Gerhard Schäfer) machte deutlich, dass der liebe Gott die Landwirtschaft wohl vergessen hat: „Die Kuh hat Liebeskummer, aber keinen Stuhlgang, der Stier vergreift sich an einem Zebra und die Familie interessiert sich mehr für den schiefen Turm von Pisa, als für den eigenen Hof“. Die fröhliche Gegenrede von Schulmädchen Anette und Punker Helmut sorgte für Erheiterung im Saal. Die „Kindlich-Naive“ aus dem „Bensheimer Nonnenzwinger“ ließ den rotzfrechen Rotschopf trotz tierischen Feelings die Fingernägel abkauen bei so viel Fragerei.

 

In allen Wortbeiträgen des Abends fanden die Gäste das Gemeindegeschehen des vergangenen Jahres wieder, allen voran die traditionellen Reichenbacher Nachrichten von VR 30 (veschlofenes Reischeboch Tempo 30) wussten nicht nur alles, sondern auch alles besser. Kein öffentliches Ärgernis blieb im Dunkeln, 31 Gemeindevertreter und nur ein Pranger – gut, dass es da die Fastnacht gibt.

 

„Mordsmäßig was auf die Beine gestellt, hatte der Reichenbacher Nachwuchs. Mit einer Rock-Pop-Show gaben die Kids ihr Debüt. Da waren die aufgeregten Lampenfieber-Tränen vollkommen unberechtigt, echt geil hätten die Altersgenossen gelobt. Ob Roxette oder Prinzen, Non Blondes oder Sister Act, das war spitzenmäßig imitiert.“, lobte der BA.

 

Und für die Berichterstatterin war klar, „ dass bei einem Gesangverein die Sänger/innen den Abschluss machen durften. Ihre Schlagerparade wurde geradezu gefühlvoll im Disconebel. Rock-Opas zum Verlieben, ach, würfe manch einer seine grauen Anzüge weg, behielte das Fastnachts-Outfit bei und den dazugehörigen Schwung, um wie viel farbiger wäre auch der Rest vom Jahr“.

 

Folgende Fastnachter waren im Einsatz:

 

Sitzungspräsident Wolfgang Vetter (Hans Bremstaller).

 

Elferrat:           Heinz Bitsch, Helmut Delp, Günter Hogen, Dietmar Gutsche, Wolfgang Lampert,

Günter Pfeiffer, Herbert Samstag, Erhard Schöneck, Heinrich Weber, Heinrich Weyhrauch.

 

Sänge/innen:    Ute Bickelhaupt, Christa Kaffenberger, Hildegard Rottweiler, Erika Noller, Marion Rausch, Philipp Degenhardt, Jürgen Schmitt, Hans Schoenherr, Klaus Schmidt, Ralf Knöll, Heiko Gehrisch, Ronald Müller.

 

Bütt:                Susanne und Jochen Müller, Walter Gabler,    Wolfgang  Vetter, Annette Oster, Helmuth Degenhardt, Gerhard Schäfer.

Gesangsduo:    Werner Degenhardt, Ludwig Kaffenberger.

 

Ballett:         Claudia Laut, Marion Rettig, Andrea Lehrian, Annette Oster, Madeleine Müller,Andrea Kindinger, Steffi Krause, Michaela Zenker, Sabine Kindinger.

 

Harlekine:       Heike Bruch, Melanie Samstag.

 

Show der „Kids“:        Nicola Walter, Marlen Borger, Petra Sauer, Petra Degenhardt,

Martina Kunert, Marlene Jährling, Mathias   Kogler, Holger Dohme,

Dirk Arnold, Eva Münster.

 

Maske:              Lilo Samstag, Edith Müller, Helmut Baumunk.

 

Kostüme:         Marie Mrotzek.

 

Bühne:             Manfred Drax, Helmut Kaffenberger.

 

Beleuchtung:   Georg Essinger.

 

Ton:                   Fritz Ehmke, Rolf Bruch.

 

Das Ende der Ära Bremstaller / Baschta

 

Zwei gravierende Veränderungen gab es Anfang der neunziger Jahre auf dem Chefsessel und am Dirigentenpult der Eintracht. Nach acht Jahren als Vorsitzender kandidierte Hans Bremstaller 1991 für dieses Amt nicht mehr. In seine Zeit fiel besonders das 125-jährige Vereinsjubiläum, das auch dank seiner Führungsarbeit erfolgreich und mit einer guten Außendarstellung des Vereins endete.

 

Die Jahreshauptversammlung würdigte die langjährige Arbeit des scheidenden Vorsitzenden. Familienabende, Karnevalsitzungen und Ausflüge seien von ihm neben der laufenden, umfangreichen und immer verwaltungsaufwändiger werdenden Vereinsarbeit organisiert worden. Unter der Leitung von Bremstaller habe sich der Verein weiterentwickelt, von der Gesangsqualität, als auch von der Zahl der Mitglieder, die auf über 200 gestiegen war. Hans Bremstaller reihe sich würdig ein in die Reihe der Eintracht-Vorsitzenden.

 

Sein Nachfolger wurde Hans Schönherr. Trotz beruflicher Belastungen erklärte sich Bremstaller bereit, die Position des stellvertretenden Vorsitzenden zu bekleiden und damit einen reibungslosen personellen Übergang zu erleichtern. Der bisherige Schriftführer Peter Kaffenberger blieb ebenso im Amt, wie Rechner Karl Mink.

 

Ein Wechsel auch am Dirigentenpult

 

Schwieriger gestaltete sich da schon der Wechsel am Dirigentenpult. Erich Baschta hatte den Chor 1983 von zwei den Verein prägenden Chorleitern übernommen. Georg Geißler, so Vorsitzender Hans Schoenherr bei der Verabschiedung des verdienten Chorleiters, habe über 25 Jahre „in lockerer Atmosphäre“ die Gesangsgruppe wieder aufgebaut. Sein Nachfolger hätte die Sänger dann mehr zu leistungsorientiertem Singen gelenkt. Erich Baschta dagegen habe versucht, zwischen beiden Wegen einen ausgewogenen Mittelweg zu finden. So seien neben einer guten Atmosphäre im Chor weitere Erfolge nicht ausgeblieben.

Das Repertoire sei unter Baschtas Leitung auf über zwanzig Liedstücke ausgebaut worden, die die Sänger alle auswendig beherrschten.

 

Baschta und Chor 1994

Nachfolger von Baschta wurde

Norbert Heger, der allerdings nur zwei Jahre dem Chor vorstand.

Auch Heiko Gündling

(1996 bis 1998) und

Andreas Demmel

(1998 bis 1999) hielt es nicht lange bei der „Eintracht“.

 

Kontinuität kam erst wieder mit Björn Karg in den Männer- gesangverein, der seit 1999 den Taktstock schwingt

 

Ein erster Erfolg mit dem Dirigenten Karg gelang der Eintracht im Herbst 2000.

Nach längerer Zeit beteiligte sich der Chor wieder einmal an einem Pokalsingen. Mit den Stücken „Der Lindenbaum“ und „Marianka“ wurde in Eppertshausen die höchste Punktzahl in den Sparten Dynamik, Aussprache, Interpretation, Stimmenausgleich und Chorklang erreicht.

 

Für diese Leistung konnte ein großer Goldpokal und eine Ehrenurkunde in der Klasse der Männerchöre bis 34 Sänger entgegengenommen werden. Chorleiter Björn Karg erhielt den Dirigentenpreis.

 

Dabei hatte die Eintracht keine einfachen Bedingungen zu bewältigen. Nicht nur, dass der Chor bereits morgens um acht Uhr auftrat und deswegen die Sänger um 6.30 Uhr in Reichenbach aufbrechen mussten. Auch die kurze „Einarbeitungszeit“ des neuen Dirigenten machte den Auftritt nicht leichter. Desto größer war die Freude über den schönen Erfolg, der natürlich entsprechend gefeiert wurde.

 

Viel Beifall erhielt der Chor auch bei einem Freundschaftssingen in der Lautertalhalle. Der Reichenbacher Frauenchor feierte sein 25-Jähriges Gründungsfest und hatte dazu auch die „Lokalmatadore als stimmgewaltigste Musikgruppe in der Gemeinde“ (Eintracht-Mitglied Thorsten Matzner im Bergsträßer Anzeiger) eingeladen.

 

Friedrich Silchers „Lindenbaum“ bildete den Auftakt. Danach gab es „Marianka“ und „Das Lächeln kommt vom Trinken“ zu hören. Als Zugabe brachten die Sänger den schwungvollen Chor „Hin ist Hin“. Und mit dabei war der Männerchor auch beim gemeinsamen Schlusslied der Chöre aus Einhausen, Gadernheim, Reichenbach und Zwingenberg. „Singen ist Leben“ sang die ungewöhnlich große Musikgruppe unter der Leitung von Ivan Mladenov.

 

Die Vorstandsspitze wechselt

 

Ein personeller Einschnitt gab es in der Führungsriege der Eintracht im März 2001. Nach zehn Jahren erfolgreichen Wirkens als Vorsitzender kandidierte Hans Schoenherr nicht mehr und wurde von Walter Lampert abgelöst. Dieser hatte den Verein bereits von 1971 bis 1973 geführt.

 

Die Jahreshauptversammlung im Vereinslokal brachte weitere personelle Veränderungen. So schied Georg Essinger nach 37-jähriger Vorstandstätigkeit aus. Auch Günter Hogen und Heiko Gehrisch kandidierten nach zehn bzw. acht Jahren nicht mehr.

 

Mit den Neuwahlen setzte sich die Führungsriege des ältesten Vereins im Tal wie folgt zusammen:

 

Vorsitzender:                          Walter Lampert

Stellvertreter:                          Heinz Bitsch

Rechner:                                 Peter Kaffenberger

Schriftführer und Beisitzer:    Günter Pfeifer, Dr. Ralf Knöll, Werner Degenhardt, Herbert Samstag,

Wolfgang Lampert, Hans Schoenherr und Peter Essinger.

 

Die Mitgliederzahl betrug 187, davon waren 37 aktive Sänger. Von diesen nahmen rund 30 regelmäßig an den Singstunden teil, von denen es 43 gab. Hinzu kamen 30 Auftritte, darunter das erfolgreiche Pokalsingen in Eppertshausen.

 

Die „Eintracht“ wird 140 Jahre alt

 

In der Jahreshauptversammlung 2002 machte Vorsitzender Walter Lampert die Planungen des Vereins für das 140-jährige Jubiläum öffentlich. Danach sollte für Freitag, 26. April, zu einem Liederabend in die Lautertalhalle eingeladen werden. An ihm sollten alle Lautertaler Chöre und die der Umgebung teilnehmen. Einen Tag später sollte die Kapelle „Lärmfeuer“ zum Tanz aufspielen.

 

17 Chöre waren dann auch dabei, als der runde Geburtstag gefeiert wurde. „Die Parkplätze an der Lautertalhalle reichten kaum aus, um den Bussen und Autos der mehr als 500 Gästen Platz zu bieten“, stand im BA zu lesen. „Im Foyer lud eine Bar zum Treffen und Plaudern ein. Es gab einen Extra-Raum zum Einsingen für die Chöre und die Versorgung der Gäste in der Halle klappte reibungslos. Erfahren durch die beliebten Karnevalssitzungen mit ebenso viel Publikum, leisteten die Aktiven des Vereins die Organisation der Großveranstaltung mit Bravour“.

 

Bei der Begrüßung der Gäste enthüllte Vorsitzender Walter Lampert ein ganz besonderes Geschenk des dem Verein freundschaftlich verbundenen Malers Cristian van de Aa aus Holland. Dieser hatte ein Ölbild von Reichenbach extra zu diesem besonderen Anlass gefertigt. 90 mal 60 Zentimeter groß und gerahmt fand das Kunstwerk, welches das Dorf vom Borstein aus gesehen auf naturalistische Art zeigt, seinen Platz im Vereinslokal.

 

Bürgermeister Jürgen Kaltwasser ließ zur Information der Gäste die 140-jährige Geschichte der Eintracht in fünf Minuten in ihren Höhepunkten Revue passieren. Anschließend wechselten sich bei den Vorträgen der Eintracht und den Gastchören Klassiker und Volkslieder, Liebeslieder und Heimatgesänge ab.

 

Auch wenn dieser Geburtstag in kleinerem Rahmen gefeiert wurde, war dazu wieder eine umfangreiche Organisation und jede Menge „Manpower“ erforderlich. So standen am Freitag Walter Gehbauer, Herbert Borger und Dieter Essinger an der Theke. Dieter Horn, Herbert Ertl und Willi Meyer gaben die Getränke aus. Als Bedienungen waren Melanie Bickelhaupt, Marlies Lampert, Petra Degenhardt und Cornelia Pfeifer im Einsatz. Als Springer fungierten Heiko Gehrisch, Herbert Samstag, Ralf Knöll und Ronald Müller und am Weinstand und der Bar schenkten Lilo Samstag und Hilde Tewes aus.

 

Am nächsten Tage gaben Heinz Bitsch, Wolfgang Lampert und Hans Bremstaller das Bier, Ronald Müller, Heinrich Herzog und Werner Degenhardt die Getränke aus. Die Bedienungen verstärkten Sylvia Moritz und Anneliese Haberzettel. Günter Pfeifer wurde als zusätzlicher Springer eingeteilt.

 

Die Getränkepreise wurden jetzt in Euro angegeben.

So kostete ein Schmucker Pils 0,33 Liter 1,80 Euro, ein Weizenbier 0,5 Liter 2,30 Euro. Eine Literflasche Wein, lieblich, rosé oder rot kostete neun Euro. Für ein Brötchen mit Mett, Käse oder Wurst waren 1,50 Euro, oder für ein Schnitzelbrötchen 2,60 Euro zu entrichten. Auch gab es Siedewurst mit Brötchen (1,80 Euro),  Laugenstangen  (0,80 Euro) und eine Tasse Kaffee für einen Euro.

 

Das Jahrzehnt vor dem großen Jubiläum

Die „Eintracht“ wird Bergsträßer Leistungschor

 

Einen nicht alltäglichen Gottesdienst gestalteten der Männergesangverein und weitere Chöre in der evangelischen Kirche. Am 8. Dezember 2002 sangen in der sanierten Kirche von 1748 in einer ökumenischen Feier auch der Frauenchor, der evangelische und der katholische Kirchenchor, sowie der Gesangverein „Sängerlust“ aus Lautern. Zudem spielten der Flötenchor der Felsenmeerschule und das Mandolinen-Orchester.

 

Anlass für den ungewöhnlichen Adventsgottesdienst war die restaurierte Hugo-Rothermel-Orgel. Sie wurde im Wechsel von Andreas Demmel und Horst Steinmann gespielt. Pfarrer Thomas Blöcher und Pfarrer Walter Weis sprachen von der Kanzel. Die Kollekte des Abends diente der weiteren Finanzierung der Orgelrestaurierung. Im Anschluss an das Adventskonzert hatten die Kirchengemeinden zu einem Imbiss in das evangelische Gemeindehaus eingeladen.

 

Die Eintracht sang nach der Begrüßung durch Pfarrer Blöcher drei Lieder: „Hebe Deine Augen auf“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Weihnachtsfrieden“. Dirigiert wurde der Chor von Björn Karg, der gerade seine Chorleiterprüfung an der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg mit Auszeichnung erworben hatte. Karg studierte zu dieser Zeit Musikwissenschaft an der Universität in Frankfurt.

 

Unter seiner Leitung gelang dem Chor nach dem Pokalgewinn in Eppertshausen ein weiterer, Image fördernder Erfolg. Beim Kreiswertungssingen Ende 2002 erreichten die Reichenbacher unter 13 Chören das zweitbeste Ergebnis. Mit 20,75 von 25 Punkten sprangen sie auf das Treppchen und wurden zum „Leistungschor des Sängerkreises Bergstraße“ befördert.

 

In der Jahreshauptversammlung 2003 zeigte sich Vorsitzender Walter Lampert erfreut über die Arbeit im vergangenen Jahr. So bezeichnete er die Feiern zum 140. Jubiläum als „tollen Erfolg“. Lampert erinnerte an einen Ausflug nach Georgsmarienhütte und die Kinderchorproben im Rahmen der Ferienspiele. Auch der Familienabend sei sehr unterhaltsam gewesen.

 

Die Neuwahl des Vorstandes brachte nur geringe Veränderungen. So wurde Vorsitzender Walter Lampert ebenso wie sein Stellvertreter Heinz Bitsch bestätigt. Die Kasse verwaltete jetzt Wolfgang Tewes, Schriftführer blieb Peter Kaffenberger und als Beisitzer arbeiteten Werner Degenhardt, Peter Essinger, Ralph Knöll, Wolfgang Lampert, Günter Pfeifer und Herbert Samstag im Vorstand mit.

 

Matinee und Odenwälder Abend neu im Jahresprogramm

 

In die Fränkische Schweiz führte der Jahresausflug 2003. Die Sänger verbanden die Vier-Tages-Tour mit einem Besuch der Sangesfreunde in Thurn, die ihr 125. Jubiläum feierten. Quartier bezogen wurde im Gasthof „Zur Post“ in Egloffstein. Nach einer Brauereibesichtigung wurde der bunte Abend anlässlich des Jubiläums in Thurn besucht. Die Festkapelle „Münchner Zwietracht“ machte ihrem Namen keine Ehre, der Eintracht gefiel es so gut, dass sie sich erst um Mitternacht auf den Heimweg machte.

 

Am nächsten Tage fuhren die Odenwälder durch die Fränkische Schweiz und besuchten die Teufelshöhle in Pottenstein. Ein besonderes Erlebnis war das „freie Singen“ am frühen Sonntag in den Schlossanlagen in Thurn. Hanfried Graf Bentzel-Sturmfelder-Horneck hatte seinen 300.000 Quadratmeter großen Schlosspark für die Auftritte der Chöre zur Verfügung gestellt. Vier Gesangvereine gaben dort an verschiedenen Stellen abwechselnd ihre Lieder zum Besten.

 

Neue Wege ging der Männergesangverein mit einer Matinee auf dem ehemaligen Gelände der Volksbank hinter dem Trautmannshof. Der musikalische Frühschoppen wurde auch dank des schönen Wetters zu einem Erfolg. Dem Festgottesdienst des Alsbacher Pfarrers Horst Franke folgte Gegrilltes zum Mittagessen und selbstgebackener Kuchen zum Nachmittagskaffee. Zwischendurch sangen Männerchor und Frauenchor und spielten die Odenwälder Jagdhornbläser.

 

Einen Odenwälder Abend feierten die Eintracht-Sänger zusammen mit den Chören aus Kirchvers und Wilsbach im Gasthaus „Zur Traube“. Die Mittelhessen hatten vorher das Weltkulturerbe besichtigt und das Felsenmeer bestiegen. Die Verbindung kam durch Eintracht-Mitglied Norbert Mink zustande. An dem Festabend stellte sich auch das Lautertaler Äppelwoipaar Petra Krämer und Dirk Reinhard vor.

 

Langjährige Mitglieder ehrte Vorsitzender Walter Lampert beim Familienabend 2003 im Vereinslokal. So wurde Günter Pfeifer für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft, Wolfgang Lampert für 25 Jahre Chorsingen sowie Helmut Delp, Waldemar Fengler, Rainer Schminke, Adam Schuchmann und Walter Rettig für 25-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet.

Am gut besuchten Abend traten Herbert Samstag, Heinz Bitsch, Ronald Müller und Philipp Degenhardt als „Comedian HAR-minis“ auf. Die  „Lene-Buwe“ reaktivierten ihre Drehorgel und erzählten „Reischebesche Geschichtchen“. Dieter Horn hatte mit den früheren Fastnachtssängern eine musikalische Reise einstudiert, die Leben in den Saal brachte. Gute Stimmung verbreitete auch der „Singende Landwirt“ Gerhard Pfeifer mit Unterstützung von Ingo Delp.

 

Der Pressebericht über die Jahreshauptversammlung 2004 war dann ein Hilferuf der Eintracht. „Verein sucht händeringend junge Mitglieder“, hieß es in der Überschrift im BA: „Über die Hälfte der Sänger sind zwischen 61 und 70 Jahre alt. Dreißigjährige gibt es im Verein dagegen überhaupt keine“, wusste BA-Mitarbeiterin Jutta Haas zu berichten. Für den Verein gäbe es nur ein Ziel: Junge Mitglieder zu werben.

 

Da Rechner Wolfgang Tewes ein beruflich begründeter Umzug bevorstand, wurde Schriftführer Peter Kaffenberger auch zum kommissarischen Rechner bestimmt. Dafür sollte ihn Heiko Gehrisch bei den Schreibarbeiten unterstützen. 2004 hatte die Eintracht 166 Mitglieder, von denen 34 im Chor sangen. Die 42 Singstunden wurden im Schnitt von 27 Sängern besucht. Ludwig Kaffenberger fehlte nur in einer Singstunde, Heiko Gehrisch, Hans Lampert, Günter Pfeifer, Helmut Kaffenberger und Fritz Kindinger in zwei. Sie erhielten zum Dank dafür je ein Weinglas.

 

Gleich mehrere Ehrungen für „Eintracht“-Aktive

 

Geselligkeit, viel Musik und Gesang bot der Männergesangverein beim „musikalischen Frühschoppen“ 2004 auf dem ehemaligen Volksbankgelände. Zum Gottesdienst von Pfarrer Hans-Peter Helbig sang die Eintracht unter der Leitung von Björn Karg und spielte der Posaunenchor unter der Regie von Horst Steinmann. Mit dem „Sängergruß“ eröffnete der vierstimmige Chor das Fest und sang dann „Am Brunnen vor dem Tore“ und „Jetzt gang i ans Brünnele“.Weit ins Dorf hinein waren die Jagdhornbläser zur hören, die zusammen mit der Eintracht „Wie lieblich es schallt, durch Busch und Wald“ und „Ich bin ein freier Wildbrettschütz“ zum Besten gaben. Stimmungsvolle Musik spielte auch das Mandolinenorchester unter der Leitung von Norbert Mink.

 

An dem Abend im Vereinslokal wurde zudem Peter Kaffenberger zum Ehrenmitglied der „Eintracht“ ernannt. Der „Reichenbacher und Eintrachtler mit Leib und Seele“ war seit 40 Jahren Sänger im Chor und zudem rund 30 Jahre im Vorstand als Rechner und Schriftführer. Als Vizechorleiter vertrat er Dirigent Björn Karg.

 

Für 25-jährige passive Mitgliedschaft wurde Willi Meyer geehrt. Kaffenberger und Meyer erhielten aus den Händen des Kreisvorsitzenden Heinz Ritsert und der Eintracht-Vorsitzenden Walter Lampert und Heinz Bitsch Urkunden und Anstecknadeln.

 

 

Eine ganz besondere Auszeichnung konnte beim Familienabend Chorsänger Hans Lampert in Empfang nehmen. Kreisbeigeordneter Gunter Bistrischan überreichte ihm den Landesehrenbrief, Lautertals Bürgermeister Jürgen Kaltwasser und Ortsvorsteher Heinz Eichhorn gratulierten.

Hans Leonhard Lampert gehört dem Chor seit dem 1. Mai 1950 an. Im Vorstand war er von 1955 bis 1993. Bis 1981 verwaltete er das Archiv des Vereins. Von 1942 bis 1986 gehörte Lampert zur aktiven Riege der Reichenbacher Feuerwehr. Seitdem ist er Mitglied in der Alters- und Ehrenabteilung und nimmt noch jedes Jahr an den Abschlussübungen teil. Sehr rege war der Geehrte auch im örtlichen Verschönerungsverein und im Arbeitskreis Partnerschaft Europäischer Gemeinden (APEG).

 

Den Familienabend im herbstlich geschmückten Saal eröffnete der Chor mit  dem „Deutschen Sängergruß“, „My Lord, What A Morning“ und „Wo warst Du?“, bei dem Peter Kaffenberger das Solo sang.

 

Einziger Bühnenschmuck an dem Abend war die Traditionsfahne der Eintracht aus dem Jahre 1912, die nach ihrer Restaurierung nun wieder in neuem Glanz erstrahlte. Vorsitzender Walter Lampert bedankte sich bei Land, Kreis, Gemeinde und der Stiftung Odenwälder Brauchtum für die finanzielle Unterstützung. Sein Dank galt aber auch privaten Spendern, die die Restaurierung gesponsert hatten.

 

Peter Kaffenberger löst Walter Lampert ab

 

Einen Wechsel an der Vereinsspitze gab es in der Jahreshauptversammlung 2005. Nach einstimmigem Beschluss der Mitglieder wurde der bisherige Rechner und Schriftführer neuer Vereinschef. Kaffenberger kündigte an, dass er sich vor allem der Werbung neuer Sänger und neuer Mitglieder widmen werde. Außerdem wolle er dafür sorgen, dass die Chorproben ordnungsgemäß abgehalten werden.

 

„Du hast deine Sache gut gemacht“, lobte der neue Vorsitzende seinen Vorgänger. Walter Lampert war seit 1959 Mitglied der Eintracht, Vorsitzender bereits von 1971 bis 1973 und wiederum seit 2001. Von 1993 bis 2001 war er stellvertretender Vereinschef.

 

In seinem letzten Jahresbericht nannte Lampert die Zahl von 157 Mitgliedern einschließlich 29 Aktiven. Diese wären bei privaten Jubiläen und Feiern aufgetreten, außerdem bei Festen im Dorf, wie dem Missionsfest der Landeskirchlichen Gemeinschaft, dem Talwegfest der Vogelschutzgruppe und der Kerb. Der Vereinsausflug habe diesmal nach München geführt.

 

43 Mal traf sich der Chor donnerstags zu den Singstunden; im Schnitt nahmen daran 24 Sänger teil. Weil die Elferratssitzungen inzwischen vom Kerweverein durchgeführt wurden, fehlten der Eintracht diese Einnahmen. Deshalb müsse, so der scheidende Rechner Peter Kaffenberger, der Verein sparen. Um die Kasse wieder ins Lot zu bringen, wurde unter anderem die Erhöhung des Mitgliederbeitrages für Aktive auf 25 und für Passive auf 20 Euro beschlossen.

 

Die für rund 4.500 Euro restaurierte Vereinsfahne wurde am Chorkonzert hinter der ehemaligen Volksbank der Öffentlichkeit präsentiert. Bei herrlichem Sommerwetter leitete Pfarrer Thomas Blöcher den Gottesdienst. Für den musikalischen Rahmen sorgten der Eintracht-Chor unter der Leitung von Björn Karg und der Posaunenchor unter Horst Steinmann. Zu dem Fest gekommen waren der Männergesangverein Harmonie aus Hummetroth, der Kinderchor Lautertal und die Odenwälder Jagdhornbläser. Nachmittags unterhielten die „Krehbergmusikanten“.

 

In der Heimatzeitung wurde im Oktober 2005 ein verdientes Eintracht-Mitglied gewürdigt. Anlass dazu war ein Europaaufenthalt von Leonhard, Ruth, Emily und Gideon Oppenheimer. Die Nachfahren des legendären Sängers, Förderers und Schriftführers Gustav Oppenheimer wurden bei ihrer Spurensuche beim Ortsvorsteher und Heimatkundler Heinz Eichhorn fündig. Ihm schickten sie eine Reihe von alten Aufnahmen und Hinweise, der sich dafür mit einer Heimatgeschichte unter dem Titel „Die Freizeit der Eintracht gewidmet“ revanchierte.

 

Eine „musikalische Homage“ an die Herbstzeit war das Konzert der Eintracht in der Kirche. Mit dabei der Popp- und Jazzchor Poco Loco aus Dieburg. „Die Musical-Melodien und poppig bis gospelhaft angehauchten Liedvorträge bildeten eine wunderbare Ergänzung, zugleich aber auch ein starkes Kontrastprogramm. Nicht zuletzt trug dies zur Lebendigkeit und Abwechslung des zweistündigen Konzerts bei“, wusste Monika Hälker im BA zu berichten.

 

Der Eintracht-Chor trat erstmals in neuem Outfit auf, sang insgesamt 13 Lieder, darunter Schuberts „Lindenbaum“, „Wo warst du?“ von Siegler-Legel und „Entschuldigung“ von Friedrich Silcher. Bindeglied zwischen den beiden doch so unterschiedlichen Chören war Dirigent Björn Karg. Das Verbindende wurde dann im Schlusslied „Neigen sich die Stunden“ deutlich, das die beiden Chöre gemeinsam sangen.

 

Höhepunkt des Familienabends war einmal mehr die Ehrung langjähriger Mitglieder. So konnte Karl Delp auf 50 Jahre aktive Mitgliedschaft zurückblicken und wurde dafür zum Ehrenmitglied ernannt. Ebenfalls 50 Jahre dabei war Ernst Hotz, inzwischen allerdings passives Mitglied. Schließlich überraschte Kreisvorsitzender Heinz Ritsert Peter Kaffenberger mit einer Urkunde und der Ehrennadel in Gold für seine langjährige Tätigkeit als Vorstandsmitglied.

 

Der Abend wurde neben Chorliedern auch durch eine Jazz-Tanz-Formation umrahmt. Julia Pfeifer und Christiane Antoni trugen sie vor und ernteten dafür reichlich Applaus. Karin Schröbel und Heidi Nüchtern trugen ein lustiges Zwiegespräch vor und Thomas Kaufmann und Georg Essinger zeigten einen Rückblick in Bildern auf die letzten drei Jahre der Vereinsarbeit.

 

Einblick in die russische Seele und Ausflug in die Pfalz

 

In der renovierten evangelischen Kirche gestalteten die Eintracht und das Vokalensemble Lyra einen gemeinsamen Konzertabend. Die russischen Sänger, allesamt professionelle Solisten mit einer fundierten Ausbildung, üben ihren Beruf zu Hause bevorzugt auf Opernbühnen und in Konzertsälen aus. Für einige Tage waren sie Gast in der katholischen Familienbildungsstätte in Mannheim und unternahmen von dort aus eine Konzert-Tournee.

 

In Reichenbach forderten sie die Besucher auf, „die russische Seele kennenzulernen“. „In der orthodoxen Kirche gibt es kein Instrument, auch keine Orgel“. Deshalb wird die Religion oft gesanglich vermittelt. „Dir singen wir, dir preisen wir“ und das Vater-Unser gehörten zum Repertoire des Chores.

Auch der Männerchor widmete sich im ersten Teil des Konzertes liturgischen Chorliedern. Nach der Pause hatten sich beide auf Volkslieder eingestellt, in denen viel über die Liebe und die Heimat gesungen wurde. Zum Abschluss überraschte „Lyra“ mit Johannes Brahms` “Guten Abend, gute Nacht“ und erhielt dafür begeisterten Applaus.

 

In die Pfalz führte ein Ausflug des Vereins im Juli 2006. Ziel war das Deutsche Weintor, Neustadt an der Weinstraße und das Hambacher Schloss, die Wiege der deutschen Demokratie. Höhepunkt und Abschluss zugleich war ein Treffen im Gewölbekeller eines urigen Weingutes in Neuleiningen. Hier wurden bei Pfälzer Wein und einem Buffet nicht nur die Gaumenfreuden erfüllt, sondern auch einige Chorlieder zum Besten gegeben.

 

Vier Chöre, allesamt dirigiert von Björn Karg, gestalteten einen musikalischen Frühschoppen bei strahlendem Sonnenschein. Auf dem Gelände hinter der ehemaligen Volksbank zeigten neben der Eintracht der Chor 1911 Rothenberg, der MGV Liederkranz Langstadt und der MGV Frohsinn Hetzbach ihr Können. Die Veranstaltung diente als Werbung für den Chorgesang, von dem sich auch der Gastgeber einen Erfolg versprach.

 

Eröffnet wurde das Treffen mit einem Festgottesdienst, der von Pfarrer Thomas Blöcher zelebriert wurde. Mit dabei auch der Posaunenchor mit Horst Steinmann. Die Reichenbacher sangen „Morgenrot“, „Der Lindenbaum“ und „Unter der Linde“.

Zum Abschluss gaben alle vier Chöre gemeinsam „My Lord what a morning“ und eine „Entschuldigung“ an alle Ehefrauen und Lebensgefährtinnen, die auf ihre singenden Männer hin und wieder verzichten mussten.

 

Ein Klaviersolo von Edda Schöneck war der Höhepunkt des Familienabends im Vereinslokal. Die Reichenbacherin trug ein Präludium in C-Dur von Johann Sebastian Bach vor und der Eintracht-Chor sang drei Lieder.

 

Im geselligen Teil des Abends wussten Doris Bremstaller und Jürgen Schultze mit dem Sketch „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben“ zu gefallen und die Fastnachtssänger unter der Leitung von Dieter Horn  sowie musikalischer Begleitung von Ingo Delp brachten mit alten Schlagern Stimmung in den Saal.

 

Eingangs hatte Vorsitzender Peter Kaffenberger Hermann Dielmann für 50-jährige, sowie Wolfgang Flügel und Manfred Gann jeweils für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt.

 

Wiederum sehr erfolgreich war der Chor bei einem Wertungssingen des Sängerkreises in Viernheim. Bei elf teilnehmenden Vereinen erreichte er mit 22,5 Wertungspunkten einen respektablen zweiten Platz. Dafür wurde er mit einer Urkunde und dem Prädikat „Leistungschor des Sängerkreises Bergstraße“ ausgezeichnet.

 

Zum Zeitpunkt des Konzertes waren im 1947 gegründeten Sängerkreis Bergstraße 55 Vereine mit 92 Chorgruppen vereinigt, darunter 30 Männerchöre, 19 Frauenchöre, 17 gemischte Chöre, elf junge Chöre, neun Kinder- und sechs Jugendchöre. Damit gehörte der Kreis zu den größten Regionalverbänden im Hessischen Sängerbund.

 

Die „Eintracht“ feiert ihr 145-jähriges Bestehen

 

Mit einem Jubiläumskonzert in der evangelischen Kirche feierte der älteste Verein im Tal seinen 145. Geburtstag. Hierzu hatte er sich den gemischten Chor aus Hassenroth eingeladen, der wie die Eintracht von Björn Karg dirigiert wird.

 

Die 26 Mann starke Gruppe sang unter anderem „I will praise thee,  o  Lord“  und  „Morning  has  broken“. Erich  Sauer führte durch das Programm und freute sich über rund 200 Besucher. Ein Teil von  ihnen  traf  sich im Anschluss

an das Konzert zu einem kleinen Umtrunk im evangelischen Gemeindehaus.

 

Vorbereitet wurden die Veranstaltungen des Jubiläumsjahres in der Jahreshauptversammlung, die traditionell im Saal des Vereinslokals stattfand. In ihr wurde auch der Vorstand gewählt. Er setzte sich zusammen aus Peter Kaffenberger (Vorsitzender), Heinz Bitsch (Stellvertreter), Günter Pfeifer (Rechner), Heiko Gehrisch (Schriftführer), sowie Wolfgang Lampert, Werner Degenhardt, Ralf Knöll und Herbert Samstag als Beisitzer.

 

Sie organisierten den musikalischen Frühschoppen, der nun schon zum fünften Mal in der Dorfmitte stattfand und den in diesem Jahr vier Chöre aus der Nachbarschaft unterstützten: Liederkranz Seidenbuch, MGV Sängerbund Kolmbach, GV Sängerbund Wilmshausen und der GV Gronau. Eröffnet wurde das Treffen mit einem Festgottesdienst, den Pfarrer Thomas Blöcher leitete.

 

Gut besucht war der traditionelle Familienabend im Jubiläumsjahr. Vorsitzender Peter Kaffenberger und Kreisvorsitzender Heinz Ritsert nutzten die Gelegenheit und ehrten Ronald Müller für 25 Jahre Chorgesang. Walter Schuchmann wurde für 25 Jahre passive Mitgliedschaft gedankt.

 

Hans Bremstaller hatte Bilder aus Elferratssitzungen mitgebracht, denen 20 Jahre später fast schon historische Bedeutung zugesprochen wurde. Viel Applaus erhielten Jutta Kaffenberger und Ilse Herzog für einen Sketch.

 

Viel Wind ließen sich Aktive und Passive bei einer Tour auf die Wasserkuppe in der Rhön um die Ohren wehen. Nach einem rustikalen Frühstück am Mainufer und dem Mittagessen im Franziskanerkloster Kreuzberg bestiegen 50 Mitreisende den 950 Meter hohen Gipfel. In Fulda sollte der Dom besichtigt werden. Doch ein starker Gewitterregen vermasselte dieses Vorhaben. Deshalb fuhr die Gruppe gleich zurück in den Odenwald in ein Ausflugslokal nach Gumpersberg bei Hassenroth. Dort sang der Chor nicht nur einige Trinklieder, sondern setzte deren textliche Aufforderungen auch in die Tat um.

 

Chormitglieder und Gäste unternahmen dann im Herbst aus Anlass des 145. Vereinsjubiläums eine Fahrt in die Weinberge bei Nierstein. Dort waren sie bei schönem Wetter in Kutschen unterwegs und genossen den Wein der Region und die gute Fernsicht, die an diesem Tag bis nach Bayern reichte. Der Abschluss fand in einem Weingut statt, in dem die Eintracht-Sänger wiederum so manches Trinklied sangen.

 

Der Tod eines sehr erfolgreichen Eintracht-Dirigenten belasteten die Jubiläumsfeiern des Vereins. Am 8. Oktober verstarb Volker Seitz, der von 1973 bis 1984 den Chor führte. In einem Nachruf im BA würdigte Chef-redakteur Karl-Josef Bänker die Verdienste des Verstorbenen, darunter auch sein Mitwirken bei der Gründung des Frauenchors Reichenbach und seine Dirigentenzeit im Männergesangverein.

 

Der MGV organisiert das Kreiswertungssingen 2008

 

Richtig was los war beim Sängerfest der Eintracht, das nicht mehr an der Volksbank, sondern wegen des Wetters und der vielen Aufbauarbeiten diesmal in der TSV-Turnhalle stattfand. Schon der Festgottesdienst von Pfarrer Dieter Bauer war gut besucht. Mit den Gastchören aus Lindenfels, Brandau, Ernsthofen, dem Frauenchor und den Jagdhornbläsern war die Halle gut gefüllt. Mit dabei auch die stellvertretende Vorsitzende des Sängerkreises, Jolande Remmert, sowie Bürgermeister Jürgen Kaltwasser und Ortsvorsteher Heinz Eichhorn.

 

Der gastgebende Chor sang gleich vier Lieder: „Morgenrot“ im Gottesdienst, „My Lord, what a Morning“, quasi als Begrüßung der Chöre, sowie „Weit, weit weg“ und „Männer mag man eben“, mit dem er einmal mehr die Damenwelt reizte. Das Resümee des Vorsitzenden: „Es war eine gelungene Veranstaltung“, so Peter Kaffenberger.

 

Als Gastgeber fungierte der Männergesangverein beim Kreis-Wertungssingen 2008 im November in der Lautertalhalle. 15 Chöre des Sängerkreises hatten den Mut, sich den kritischen Augen und Ohren der Juroren zu stellen. Diesmal benotete Jochen Stankewitz aus Hüttenberg die Singgemeinschaften. Stankewitz hat Schulmusik mit Hauptfach Bratsche und Orchesterleitung sowie Instrumentalpädagogik studiert und abgeschlossen. Er leitet mehrere Chöre in Mittelhessen und ist ein gefragter Workshopleiter und Juror bei internationalen Wettbewerben.

 

Die besten Benotungen erzielten „The Getwinc-Singers“ aus Zwingenberg und die Eintracht. Beide erhielten mit je 22 die höchste Punktzahl. Damit wurden sie zu Leistungschören des Sängerkreises ernannt. Die Eintracht überzeugte mit „Beati mortui“ von Felix Mendelsohn Bartholdy und „Wir kamen einst von Piemont“ von Wilhelm Heinrichs. Mit sehr gutem Erfolg nahm auch der Frauenchor Reichenbach an dem Wettbewerb teil und erhielt 20,5 Punkte für „Wenn der Tag zu Ende geht“ von Rudi Kühn und „Wenn ich ein Vöglein wär“ von Gus Anton.

 

Zum Jahresabschluss trafen sich die Chormitglieder zu einer Winterwanderung. Über den Talweg, vorbei am Lampertstein und der Riesensäule führte die Tour bis zum Ohlyturm. Dort hatte ein Team um Karl Delp ein Frühstück mit Hausmacher Wurst und Glühwein vorbereitet. Danach führte der Weg über die Kuralpe und Steigerts bis nach Ober-Beerbach. Hier brachten die Sänger der Tochter von Walter Lampert ein nachträgliches Geburtstagsständchen. Nach dem Mittagessen, etwas Wein und viel Gesang ließ man sich im Bus zurück nach Reichenbach fahren.

 

Auch Reichenbacher Sänger-Jubilare geehrt

 

Zur Jubilaren-Ehrung der Sängerkreise im Kreis Bergstraße hatten Kreistagsvorsitzender Werner Breitwieser und Landrat Matthias Wilkes in die Lautertalhalle eingeladen. Insgesamt wurden 99 Sängerinnen und Sänger der drei Sängerkreise geehrt, die seit mehr als 50 oder sogar 60 Jahren dem Chorgesang die Treue halten. Ausrichter war der Reichenbacher Männergesangverein, für den Vorsitzender Peter Kaffenberger ein Grußwort sprach.

 

Die Eintracht umrahmte zusammen mit der Kindergartengruppe „Drosseln und Finken“ aus Lautern, dem Frauenchor und der TSV-Jazztanzgruppe die Veranstaltung. Dankesworte für die Geehrten sprach der frühere Eintracht-Vorsitzende Hans Bremstaller. Er wurde für 50 Jahre Chorgesang geehrt. Bereits seit 60 Jahren waren Walter Gehbauer und Heinrich Laut dabei.

 

Gemeinsam mit einem Männerquartett aus Odessa konzertierte der Reichenbacher Männerchor im Juni

2009 in der evangelischen Kirche. Die Tenöre Valerie Regent und Valentin Oleinitschenko, sowie Vladislav Muschinsky (Bariton) und Oleg Piltschen (Bass) machten auf ihrer Deutschland-Tournee Station in Reichenbach. Während im ersten Teil des Konzerts liturgische Lieder gesungen wurden, waren dies später Volksweisen aus der Ukraine und Deutschland.

 

Glück mit seiner Entscheidung, den musikalischen Frühschoppen in die Halle zu verlegen, hatte der Verein im Juli, denn am Konzerttag hatte es Petrus mit dem Wetter nicht gut gemeint. Nach dem Gottesdienst von Pfarrer Dieter Bauer gaben die Eintracht, der MGV „Harmonie“ aus Hummetroth und das Mandolinenorchester aus Reichenbach Kostproben ihres Könnens.

 

 

Eine erste Vorschau auf das große Vereinsjubiläum der Eintracht im Jahre 2012 brachte der Bergsträßer Anzeiger. In der Ausgabe vom 21. Oktober 2009 wurden ein großformatiges, buntes Foto vom Jubiläumsumzug 1987 und eine schwarz-weiße Aufnahme vom Jubiläumsumzug 1962 gezeigt. Der Text enthielt einen Abriss der Vereinsgeschichte und Details aus dem großen Festwochenende anlässlich des hundertjährigen Bestehens.

 

Dieser Artikel hatte wohl Auswirkungen auf die Berichterstattung über das Familienfest, die in diesem Jahr unerwartet umfangreich ausfiel und sogar mit zwei großformatigen Fotos „garniert“ wurde. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Ehrung von langjährigen Mitgliedern. So wurde Heinrich Laut für 60-jährige aktive Mitgliedschaft ausgezeichnet. Laut war nicht nur im Chor dabei, sondern auch lange Jahre im Vorstand aktiv und archiviert die Requisiten des Vereins in seiner Scheune.

 

25 Jahre im Chor dabei war Hans Jürgen Schultze, jeweils 50 Jahre Walter Gehbauer, Hans Bremstaller und Walter Lampert, fünfzig Jahre passiv Helmut Bakuhn. Sogar 60 Jahre lang hielten Adolf Hochgenug, Wilhelm Meyer und Fritz Hechler dem Verein die Treue. Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden schließlich Erich Baschta, Richard Scharschmidt, Günter Piatkowski und Werner Aust geehrt.

 

Nach einigen Chorauftritten präsentierte Björn Karg mit „Frühstück bei Tiffany“ und „Moon River“ zwei Klaviersoli. Doris Bremstaller und Peter Kaffenberger gefielen mit einem Sketch und eine Dia-Show erinnerte an das Jubiläumsjahr 1987. Zum Abschluss sangen Werner Grüner und Egbert Grieser im Duo unterhaltsame und freche Lieder.

 

Björn Karg seit zehn Jahren als Dirigent erfolgreich

 

Gratulationen und Ehrungen standen im Jahre 2010 im Mittelpunkt der Vereinsarbeit. So feierte im Februar mit Ludwig Kindinger („Elle-Lui“) ein langjähriges und verdienstvolles aktives Mitglied seinen 90. Geburtstag. Seine Freizeit widmete der Jubilar fast ausschließlich dem Gesang. 1958 löste er Karl Germann als ersten Bass im Reichenbacher „Doppelquartett“ ab. Die Gruppe um Hermann Gall und Karl Schattenfroh (erste Tenöre), Georg Weyhrauch und Wilhelm Lang (zweite Tenöre), Reinhold Eckert, Adam Schneider, Helmut Lang und Richard Charlies (Bässe) zählte damals zu den besten Chören im Kreis.

 

Nachdem es um das „Doppelquartett“ ruhiger wurde, verstärkte Ludwig Kindinger den Chor der Eintracht. Er trug wesentlich dazu bei, dass der Chor in Tal und Kreis Preise und ein hohes Ansehen errang. Zu den Gratulanten zählten auch Vorsitzender Peter Kaffenberger, sowie die Vorstandsmitglieder Hans Bremstaller, Georg Essinger und Walter Lampert.

 

Seit 60 Jahren dem Singen verbunden war Hans Lampert. Der Reichenbacher Schmiedemeister kam 1950 zur Eintracht und ist trotz seines inzwischen hohen Alters ein fleißiger Singstundenbesucher und ein verlässliches Chormitglied. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth war er zudem all die Jahre in vielfältiger Art und Weise für den Männergesangverein aktiv.

Geehrt wurde das „Reichenbacher Original“ bei einem Empfang des Kreises Bergstraße in Viernheim.

 

 

Eine überraschende Ehrung gab es beim Familienabend im Oktober 2010 für den

Dirigent Björn Karg. Seit zehn Jahren leitet er die Sänger bei den Chorproben und

Auftritten. Unter ihm, so Vorsitzender Peter Kaffenberger, habe die Eintracht in den letzten Jahren zahlreiche Erfolge errungen und sei zum Kreis-Leistungschor aufgestiegen.

Als Dank überreichte er eine Urkunde und einen „Geldbaum“.

 

Der Dirigent bedankte sich mit einem Klaviersolo und leitete über zum Auftritt von Sarah Kaffenberger und Lara Huthmann. Die beiden jungen Damen begeisterten mit einer Eigenkomposition.

Kurzweilig waren ein Vortrag über den Alltag eines Schönheitschirurgen von Hans Jürgen Schultze und die Dia-Schau von Philipp Degenhardt über die Vereinsaktivitäten im auslaufenden Jahr.

 

 

Am Ende des Abends gab es noch ein Schmankerl: In Dirndl und Lederhosen trat ein Männerballett auf. Claudia Laut hatte mit den „Kerlen und Frauen“ den Song „So ein schöner Tag“ einstudiert. Das Publikum war begeistert und verlangte lautstark eine Zugabe.

 

Zum Abschluss des Jahres wanderten die Aktiven wieder, diesmal durch den Schnee ins Rödchen und zum Borstein. Am Selterswasserhäuschen hatte ein Team um Karl Delp ein Frühstück mit Glühwein und Hausmacher Wurst vorbereitet. Gut gestärkt ging es weiter zum Sangesfreund Wilhelm Rascher nach Wilmshausen. Bei deftiger Suppe, guten Getränken und so manchen Liedern verbrachte man einige frohe Stunden, bevor es mit dem Linienbus wieder zurück nach Reichenbach ging.

 

Die „Eintracht“ stark im Fokus der Presse

 

Stark im Fokus der Presse stand der Männergesangverein ein Jahr vor seinem großen Jubiläum. In zahlreichen, zum Teil großen Berichten in der Heimatzeitung, konnte der älteste Verein im „Dälsche“ auch für sich werben. Hinzu kommen noch mehrere Seiten in den erstmals erstellten Online-Briefen des Verschönerungsvereins (über 250 Empfänger) und den Homepages www.verschoenerungsverein-reichenbach.de oder www.1000-jahre-reichenbach.de .

 

Ihren Vorstand bestätigte die Eintracht in der Jahreshauptversammlung im Mai. Über das 150. Jubiläum hinaus und für zwei Jahre wurden Peter Kaffenberger als Vorsitzender, Heinz Bitsch als Stellvertreter, Günter Pfeifer als Rechner und Heiko Gehrisch als Schriftführer gewählt. Beisitzer sind Walter Lampert, Dr. Ralf Knöll, Herbert Samstag und Wolfgang Lampert. Für ihre regelmäßige Teilnahme am Singstundenbesuch wurden Hans Lampert, Karl Delp, Hans Bremstaller, Peter Kaffenberger, Heinz Bitsch,

Günter Pfeifer, Heinrich Laut, Ludwig Kaffenberger, Walter Lampert und Helmut Kaffenberger mit einem Ehrenglas gewürdigt. Dem Verein gehören jetzt 133 Mitglieder an, davon 26 aktiv.

 

Vier von ihnen erneuerten im „Eck“ den „Milchbrunnen“, der 1999 unter anderem mit dem Erlös eines Konzertes der Eintracht vom Bauhof der Gemeinde errichtet wurde. Vorher stand dort die Milchsammelstelle. Schon nach gut einem Jahrzehnt war jedoch eine Holzbank marode geworden. Die Neue wurde vom Verschönerungsverein gestiftet und von Dieter Oster, Heinrich Laut, Ludwig Kaffenberger und Walter Lampert aufgestellt. Da Margarete und Philipp Steinmann altersbedingt die Anlage nicht mehr pflegen können, erklärten sich die Mitglieder der Eintracht bereit, künftig diese Arbeiten zu übernehmen.

 

Zu einem schönen Erfolg wurde das Sommerfest des Vereins, das diesmal im Vereinsheim der Geflügelzüchter stattfand. Hier feierte wenige Tage vorher der Rassegeflügelzuchtverein Reichenbach und Umgebung e.V. sein 100. Gründungsjubiläum, das auch von der Eintracht musikalisch unterstützt wurde.

 

Zum Mittagessen gab es Weißwürste, Fleischkäse, Brezeln, später Kaffee und Kuchen. Zwischendurch sang der Chor unter der Leitung von Björn Karg einige Stimmungslieder. Unter den Gästen weilten auch die Ehrenmitglieder des Vereins, der langjährige RGZV-Vorsitzender Helmut Fassinger, sowie Bürgermeister Jürgen Kaltwasser und Ortsvorsteher Heinz Eichhorn. Den längsten Anfahrtsweg hatte Mitglied Johann Lenzen aus Düsseldorf, der erstmals solch ein Fest der Eintracht miterlebte.

 

Umfassend wurde im BA wieder über das Familienfest der Eintracht berichtet. Im Mittelpunkt stand einmal mehr die Ehrung langjähriger Mitglieder. Als drittes Mitglied im Chor wurde Georg Essinger für 60-jähriges Chorsingen geehrt. „Er ist in den Verein eingetreten, als dieser in seiner Blüte stand und hat dazu beigetragen, dass die Eintracht einen guten Ruf hat“, meinte Kreisvorsitzender Heinz Ritsert.

 

Eine goldene Ehrennadel erhielt Helmut Kaffenberger. Er singt bereits seit 50 Jahren bei der Eintracht. Dafür erhielt er neben der Nadel auch den Ehrenausweis des Hessischen Sängerbundes. Wie Essinger unterstützte auch Kaffenberger die Vorstandsarbeit und war bei der Bühnendekoration an den Elferratssitzungen und der Beschriftung der Kerwewagen tätig.

 

Die Silberne Ehrennadel des deutschen Chorverbandes erhielt Herbert Samstag. 60 Jahre im Verein war Hans Altendorf, der dafür mit Urkunde und Anstecknadel ebenso ausgezeichnet wurde, wie Doris Fiedler für 25-jährige Mitgliedschaft.

 

Neben dem Chor traten wieder Sara Kaffenberger an der Gitarre und Lara Huthmann mit einigen Songs auf. Björn Karg zeigte sein Können als Pianist und spielte die Regentropfen-Prelude von Frederic Chopin und die Romanze am Meer von Manfred Schmitz. Danach zeigte Georg Essinger eine Dia-Schau von einer Fastnachtssitzung aus 1990. Ein besonderer Höhepunkt war der Auftritt der Nachwuchssänger Jan Metzger und Christopher Beysiegel mit Liedern der Gruppe „Wise Guys“.

 

Zum Jahresabschluss feierte der Chor den 70. Geburtstag seines Mitgliedes Dieter Oster. Dieser singt schon rund 40 Jahre bei der Eintracht und hat sich ferner im Bauausschuss bei den Jubiläumsfesten hervorgetan. Oster ist zudem Gründer und Ehrenvorsitzender der Vogelschutzgruppe, Gründungsmitglied des Verschönerungsvereins, aktives Mitglied der Rassegeflügelzüchter und der Reichenbacher Bläsergruppe und gehörte auch zehn Jahre der Gemeindevertretung an. Bei einem Empfang im Gemeindehaus brachte ihm der Chor ein Ständchen.

 

Als „Hüter einer lückenlosen Vereinschronik“ wurde Hans Bremstaller in der Heimatzeitung gewürdigt. Der langjährige Vorsitzende wählt seit über 25 Jahren die Vereinsunterlagen aus, ordnet und archiviert eine im „Dälsche“ wohl einmalige Ansammlung von fast noch lückenlos vorhandenen Vereinsunterlagen. Als Kenner der Materie verlässt er sich auf seine Form der Archivierung ohne Kunststoffe und moderne Technik und umgeht damit den Problemen wie  Materialauflösung oder überholter Technik. Er hofft, dass er einmal die außergewöhnliche Sammlung an einen Nachfolger weitergeben kann, der die Geschichte der Eintracht als Teil der Reichenbacher Dorf-geschichte mit Herzblut sammelt und archiviert.

 

Erfolgreicher Start ins Jubiläumsjahr

 

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Saal des Gasthauses „Zur Traube“, als der Sängerkreis Bergstraße seine Jahreshauptversammlung abhielt. Zu Ehren des 150. Gründungsjubiläums der Eintracht und des 1000-jährigen Jubiläums Reichenbachs waren die Delegierten der 54 Vereine mit 89 Chorgruppen ins Lautertal gekommen.

 

Unter der Überschrift „Hoffnung trotz unverkennbarer Probleme“ berichtete der BA in großer Aufmachung auf seiner Regionalseite über die Veranstaltung. In ihr begrüßte Vorsitzender Peter Kaffenberger die Gäste und die Eintracht gab den „Deutschen Sängergruß“, „Unter der Linde“ und „Der Odenwälder“ zum Besten. Bürgermeister Jürgen Kaltwasser hielt ein Grußwort.

 

Auf das Treffen wurde einige Tage vorher im BA mit einem Foto aus 1987 hingewiesen, das die damalige Kreisversammlung  mit den  Eintracht-Sängern  zeigte. Werbung für das große Jubiläum des Vereins

wurde auch mit einem Artikel am 12. Januar gemacht. Auf einem Foto wurde deutlich, dass der Gemeinderat von 1925 wohl politisch verschiedenen Gruppen angehörte, über den Chorgesang aber wieder vereint war. Mehr als die Hälfte der Gemeinderäte waren in den damals drei örtlichen Chören aktiv, darunter auch der frühere Eintracht-Vorsitzende Karl Bitsch und der langjährige Dirigent Julius Becker.

 

Über Monate hinweg hatten elf Reichenbacher Musik treibende Vereine und Gruppen unter der Regie von Frank Maus an den Aufnahmen für eine CD im Jubiläumsjahr gearbeitet. Dank eines hohen Zuschusses der Volksbank war das Projekt wohl teilfinanziert, noch aber fehlte dringend benötigtes Geld. Dieses sollte durch ein gemeinsames Konzert von Eintracht, Frauenchor und den „Reischebesche Bänkelsänger“ hereinkommen.

 

Über Handzettel, „Mund-zu-Mund-Propaganda“ und Hinweise in den Medien machten die Beteiligten auf das Konzert aufmerksam. Und womit keiner gerechnet hatte, trat tatsächlich ein: „Die Traube“ war voll besetzt. Unter solch günstigen Voraussetzungen liefen die Sängerinnen und Sänger zur Höchstform auf und hatten sichtlich Freude an einem schönen Abend. Die Eintracht unter der Leitung von Björn Karg sang „Der Odenwälder“ von Hugo Jüngst, „Die 12 Römer“ von Robert Pappert, „Entschuldigung“ von Friedrich Silcher, „Übern See“ von Lorenz Meierhofer, „Männer mag man eben“ von Hans Unterweger, „E Owendlied fer mein Bu`“ von Arnold Kempkens und zum Abschluss gemeinsam mit dem Frauenchor „Freude schöner Götterfunken“ von Otto Fischer.

 

Ein Höhepunkt des Abends war die „Welturaufführung“ von „Mer sinn Reischebesche Buwe“, einem Liebeslied an Reichenbach, das von den „Bänkelsängern“ und der Eintracht gemeinsam vorgetragen wurde. Das Lied wurde von den patriotischen Einheimischen mit frenetischem Applaus bedacht.

 

Sehr ansprechend und für die Chöre und das Duo werbend, berichtete der BA über diese Veranstaltung. Auch auf die weiteren Höhepunkte des Jubiläumsjahres der Eintracht wurde schon vielfach in den Printmedien und sogar im Rhein-Main-TV hingewiesen:

 

Freitag: 18. Mai 2012, 20.00 Uhr:     

Festkommers im Gasthaus „Zur Traube“.

Sonntag, 20. Mai 2012, 10.00 Uhr:   

Festgottesdienst in der evangelischen Kirche,anschließend Kranzniederlegung am Ehrenmal.

Sonntag, 20. Mai 2012, ab 11.00 Uhr: 

          Frühschoppen im Freigelände der Gaststätte „Zur Traube“

mit dem singenden Landwirt Gerhardt Pfeifer.

Samstag, 20. Oktober, 19.00 Uhr:

      Freundschaftssingen mit 15 Chören in der Lautertalhalle.

Sonntag, 9. Dezember 2012, 18.00 Uhr:

Konzert in der evangelischen Kirche Reichenbach.

 

 

Zu den Veranstaltungen sind nicht nur die Sangesfreunde, sondern die gesamte Bevölkerung herzlich eingeladen. Mögen sie nicht nur einen Höhepunkt in der 150-jährigen Vereinsgeschichte, sondern auch ein Übergang in eine sangesfreudige, erfolgreiche Zukunft des Vereins sein.

 

 

 

 

Reichenbach, im Frühjahr 2012

 

 

          Heinz Eichhorn

 

Festchronik 150 Jahre MGV "Eintracht"